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Acceptée Vaud Société, famille et égalité 04 septembre 2011

Waadtländer Gesetz über die obligatorische Schule (LEO)

Am 4. September 2011 entscheidet die Waadtländer Stimmbevölkerung zwischen zwei Schulmodellen. Sie nimmt mit rund 52 % Ja das neue Gesetz über die obligatorische Schule (LEO) an — den Gegenvorschlag des Grossen Rates — und lehnt die Volksinitiative « Schule…

Oui — 52% Non — 48%
Participation : 40.0%
L'enjeu de l'époque

Am 4. September 2011 entscheidet die Waadtländer Stimmbevölkerung zwischen zwei Schulmodellen. Sie nimmt mit rund 52 % Ja das neue Gesetz über die obligatorische Schule (LEO) an — den Gegenvorschlag des Grossen Rates — und lehnt die Volksinitiative « Schule 2010: Die Schule retten » ab (rund 41 % Ja). Die Beteiligung liegt bei etwa 40 %.

Die LEO setzt das HarmoS-Konkordat im Kanton um: Schulpflicht ab 4 Jahren, elfjähriger Bildungsweg und vor allem eine in zwei Züge gegliederte Sekundarstufe — den vorgymnasialen Zug (VP) und den allgemeinen Zug (VG) — mit Niveaus in Französisch, Mathematik und Deutsch. Die Initiative « Schule 2010 » wollte hingegen drei klar getrennte Bildungsgänge, Noten ab dem ersten Schuljahr und einen sogenannt « expliziten » Unterricht.

Mehr als zehn Jahre nach Inkrafttreten der LEO (August 2013) stellt dieses Dossier die Versprechen und Befürchtungen beider Lager den beobachteten Wirkungen auf die Waadtländer Schule gegenüber.

Methodischer Hinweis: Dieses Dossier behandelt die Abstimmung faktenbasiert und überparteilich. Die Urteile beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf jene, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf den Urnengang selbst.
Gesamtergebnis
LEO (Gegenvorschlag) angenommen: ~52 % Ja. Initiative « Schule 2010 » abgelehnt (~41 % Ja). Bei doppeltem Ja hätte die Stichfrage zugunsten der LEO entschieden. Beteiligung ~40 %.
Abstimmungskarte
Stärkere Zustimmung zur LEO in den städtischen Zentren; die Initiative hielt sich in einigen Regionen besser. Die Aufschlüsselung nach Bezirken wird hier nicht wiedergegeben.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Waadtländer Staatsrat (Träger des LEO-Gegenvorschlags)
Anne-Catherine Lyon (Vorsteherin des Bildungsdepartements (SP), Galionsfigur der Reform)
SP, Grüne, Die Mitte/CVP (Unterstützung der LEO)
FDP Waadt (für die LEO, gegen die Initiative)
▼ Nein-Lager
Komitee « Schule 2010 » (Initianten, für drei Züge und expliziten Unterricht)
SVP Waadt (gegen den LEO-Gegenvorschlag)
Liberale Partei, Centre patronal, Ligue vaudoise, EDU (Unterstützer der Initiative)
Zu beachten: Der Urnengang stellte einen Gegenvorschlag (die am 7. Juni 2011 vom Grossen Rat verabschiedete LEO) einer 2008 mit über 15 000 Unterschriften eingereichten Initiative gegenüber. Nur die SVP bekämpfte den Gegenvorschlag; im Mitte-rechts-Lager lehnte allein die FDP die Initiative ab. Ein typischer Fall einer langwierig ausgehandelten Waadtländer Schulreform.

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Zwei durchlässige Züge und Niveaus: eine weniger abgeschottete Schule
« Die LEO bietet eine flexiblere Orientierung als das alte starre Zugsystem. »
— Argumentarium für die LEO, 2011
✓~ Teilweise bestätigt
Das Zwei-Züge-System (VP/VG) mit Niveaus ersetzte die früheren Bildungsgänge. Der Anteil der Schüler im vorgymnasialen Zug stieg von rund 24 % (1976) auf 46 % (2021), und der Zugang zum Gymnasium nahm deutlich zu. Die Debatte über das Schicksal der schwächsten Schüler bleibt jedoch offen.
Quelle: vd.ch, Kennzahlen 2021; Le Temps « die schwachen Schüler, Opfer der Waadtländer Schule »
Anpassung an HarmoS und Stabilisierung der Schule
✓ Argument bestätigt
Die LEO trat im August 2013 in Kraft und setzte HarmoS um: Schulpflicht ab 4 Jahren und elfjähriger Bildungsweg für rund 87 000 Schüler. Der Rahmen blieb seither stabil.
Quelle: vd.ch; 20 minutes (Inkrafttreten August 2013)
Eine breit abgestützte Reform
✓ Argument bestätigt
Ausser der SVP unterstützten alle Regierungsparteien den Gegenvorschlag. Diese breite Basis ermöglichte eine Umsetzung ohne grössere politische Infragestellung.
Quelle: RTS; Mitteilungen vd.ch
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Es braucht drei getrennte Züge und « expliziten » Unterricht
« Die Schule retten heisst zu klaren Bildungsgängen und strukturiertem Unterricht zurückkehren. »
— Komitee « Schule 2010 »
✗ Argument widerlegt
Das Volk lehnte die Initiative ab: Weder die drei getrennten Bildungsgänge noch der « explizite Unterricht » wurden eingeführt. Durchgesetzt hat sich das Zwei-Züge-Modell der LEO, das die Waadtländer Schule dauerhaft prägt.
Quelle: RTS « die Waadtländer lehnen die Initiative Schule 2010 ab »
Die LEO senkt das Niveau und benachteiligt gute Schüler
✗~ Teilweise widerlegt
Die Befürchtung einer Niveausenkung lässt sich nicht klar belegen: Der Zugang zum Gymnasium nahm in der Periode deutlich zu und der Anteil im vorgymnasialen Zug stieg. Die pädagogische Debatte über die Betreuung schwacher Schüler bleibt jedoch lebhaft.
Quelle: 24 heures « hat die LEO in zehn Jahren die Schüler verändert? »

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
1
Teilweise bestätigt
1
Teilweise widerlegt
1
Widerlegt
Die LEO trat in Kraft und hielt
Ab dem Schuljahr August 2013 für rund 87 000 Schüler angewandt, führte das Gesetz die Schulpflicht ab 4 Jahren und einen elfjährigen Bildungsweg ein, seither ohne Infragestellung.
~
Zwei Züge (VP/VG) statt drei Bildungsgänge
Das Zwei-Züge-Modell mit Niveaus ersetzte das alte System. Der Anteil im vorgymnasialen Zug stieg von rund 24 % (1976) auf 46 % (2021).
~
Das Schicksal der schwachen Schüler bleibt umstritten
Zehn Jahre später fällt die pädagogische Bilanz gemischt aus: Mehrere Analysen verweisen auf die Schwierigkeiten der schwächsten Schüler im neuen System.
Deutlich mehr Zugang zum Gymnasium
Die Zahl der Gymnasiasten stieg in der Periode stark an — so stark, dass der Kanton seine nachobligatorischen Bildungsinfrastrukturen anpassen muss.
Analyse éditoriale
Conclusion

Mehr als zehn Jahre später hat sich die LEO im Feld durchgesetzt: Sie prägt die Waadtländer Schule, ohne ernsthaft infrage gestellt worden zu sein. Ihr Versprechen einer weniger abgeschotteten Schule ist teilweise eingelöst — der Zugang zum Gymnasium nahm deutlich zu und der vorgymnasiale Zug nimmt heute fast die Hälfte der Schüler auf — doch das Schicksal der schwächsten Schüler bleibt Gegenstand einer ungelösten pädagogischen Debatte.

Die Vision der Initiative « Schule 2010 » — drei getrennte Bildungsgänge und expliziter Unterricht — wurde an der Urne verworfen und nie umgesetzt. Ihre Befürchtung einer « Niveausenkung » wird durch die Zugangszahlen zu anspruchsvollen Ausbildungen nicht bestätigt, auch wenn die Frage der Klassenheterogenität die Kontroverse weiter nährt. Im Kern entschied sich der Kanton für reformerische Kontinuität statt für die Rückkehr zu einem selektiven Modell.