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Refusée Valais Institutions et démocratie 03 mars 2024

Totalrevision der Walliser Kantonsverfassung

Am 3. März 2024 stimmen die Walliserinnen und Walliser über eine Totalrevision ihrer Kantonsverfassung ab. Der geltende Gründungstext stammt von 1907: Mehr als ein Jahrhundert später hat eine 2019 gewählte Verfassungsversammlung mit 130 Mitgliedern fast fünf Jahre lang an einer…

Oui — 42.96% Non — 57%
Participation : 61.49%
L'enjeu de l'époque

Am 3. März 2024 stimmen die Walliserinnen und Walliser über eine Totalrevision ihrer Kantonsverfassung ab. Der geltende Gründungstext stammt von 1907: Mehr als ein Jahrhundert später hat eine 2019 gewählte Verfassungsversammlung mit 130 Mitgliedern fast fünf Jahre lang an einer modernisierten Charta gearbeitet — soziale und ökologische Rechte, Transparenz und ein besonders umstrittener Punkt: das Stimm- und Wahlrecht auf Gemeindeebene für niedergelassene Ausländer.

Die Frage der politischen Rechte für Ausländer hat innerhalb der Constituante so viele Spannungen ausgelöst, dass keine Entscheidung getroffen werden konnte. Dem Volk wurden daher zwei Varianten vorgelegt: eine mit diesem Recht für Inhaber einer Niederlassungsbewilligung mit mindestens einjährigem Wohnsitz im Wallis, die andere ohne. Ein ungewöhnliches Vorgehen, das die Botschaft verwischte und den Vorwurf eines «Sammelsuriums» nährte.

Über den Inhalt hinaus weckte die Abstimmung die heikelste Bruchlinie des zweisprachigen Kantons: Das deutschsprachige Oberwallis fühlte sich durch die Reform benachteiligt, während ein Teil des französischsprachigen Wallis die sprachliche Minderheit bereits für ausreichend geschützt hielt. Am 3. März 2024 werden beide Varianten wuchtig verworfen, und die Verfassung von 1907 bleibt in Kraft.

Methodischer Hinweis: Dieses Dossier behandelt die Abstimmung faktisch und überparteilich. Die Urteile betreffen ausschliesslich die Überprüfung der Wahlkampfargumente — nicht die Bewertung des Abstimmungsergebnisses selbst.
▼ Ergebnis — ABGELEHNT
Variante MIT Ausländerstimmrecht mit 68,13 % abgelehnt; Variante OHNE mit 57,04 %. Stimmbeteiligung 61,49 %. Keine Region nahm das Projekt an.
Geografie der Abstimmung
Wuchtige Ablehnung im Oberwallis (fast 85 % Nein zum Projekt), deutlicher als im Mittelwallis (62,9 %) und Unterwallis (60,9 %). Die Sprachgrenze prägte das Ergebnis.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager (für die neue Verfassung)
SP des französischsprachigen Wallis
FDP Wallis
Grüne Wallis
Bewegung Appel Citoyen
Mehrheit der Verfassungsversammlung
▼ Nein-Lager
SVP des französischsprachigen Wallis
SVPO — SVP Oberwallis
Liberale des Oberwallis
Die Mitte Oberwallis (CVPO)
Wirtschaftskreise (HK Wallis)
Zu beachten — eine gespaltene Schlüsselpartei: Die Mitte, stärkste Partei des Kantons, sprach nicht mit einer Stimme: Ihre Unterwalliser Sektion gab die Stimmfreigabe, während jene des Oberwallis klar zur Ablehnung aufrief. Diese Spaltung an der Spitze nahm dem Ja eine entscheidende Stütze.

Argumente und Urteile — 2 Jahre danach

▲ Argumente DAFÜR (Constituante / SP / FDP / Grüne)
Der Text von 1907 ist überholt; ohne Revision bleibt das Wallis auf einer für das 21. Jahrhundert ungeeigneten Charta festgefahren.
~ Teilweise bestätigt
Zwei Jahre danach fand die Modernisierung nicht statt, und das Wallis bleibt bei seiner Verfassung von 1907. Doch es trat keine institutionelle Lähmung ein: Der Kanton funktioniert weiter, was den Begriff der «Blockade» relativiert.
Eine neue Verfassung würde die Spannungen zwischen Ober- und Unterwallis besänftigen und den kantonalen Zusammenhalt stärken.
✗ Widerlegt
Der Prozess bewirkte das Gegenteil: Die Abstimmung legte einen tiefen Sprachgraben offen, das Oberwallis lehnte den Text zu fast 85 % ab. Statt zu besänftigen, verfestigte die Reform das Misstrauen zwischen den Regionen.
▼ Argumente DAGEGEN (SVP / Mitte Oberwallis / Wirtschaft)
Das Projekt ist ein unleserliches «Sammelsurium»; besser die funktionierende Verfassung von 1907 behalten.
« Für die einen Kompromiss, für die anderen Sammelsurium. »
— Zusammenfassung der Debatte, RTS Wallis, 2024
✓ Bestätigt
Rein institutionell hält die Vorhersage: Zwei Jahre nach dem Nein funktioniert der Kanton ohne neue Verfassung, ohne Krise. Der Status quo von 1907 erwies sich als tragfähig.
Bei einer Ablehnung kann der Grosse Rat die guten Bestimmungen jederzeit übernehmen und «einkaufen gehen».
✗ Widerlegt
Diese Hintertür öffnete sich nicht: 2024 verwarf das Walliser Parlament eine blosse «Auffrischung» der Verfassung. Die fünf Jahre Arbeit der Constituante waren verloren, ohne teilweise Übernahme.

Faktische Bilanz · 2 Jahre danach (2026)

1
Bestätigt
1
Teilweise bestätigt
0
Teilweise widerlegt
2
Widerlegt
Zwei Jahre nach dem Nein funktioniert der Kanton weiterhin unter der Verfassung von 1907; aus dem Festhalten am Status quo entstand keine institutionelle Krise.
Quelle: RTS Wallis / Kanton Wallis, 2024-2026
!
Die 2019 gewählte Verfassungsversammlung wurde im April 2024 aufgelöst: Fast fünf Jahre Arbeit gingen verloren.
Quelle: RTS Wallis, April 2024
!
Die Beschwerden gegen das Ergebnis wurden von der Justizkommission, dem Grossen Rat und dem Bundesgericht für unzulässig erklärt. Die Ablehnung ist definitiv.
Quelle: Le Nouvelliste / Bundesgericht, 2024
~
Der Grosse Rat lehnte eine blosse «Auffrischung» der Verfassung ab: Die Modernisierung des Textes von 1907 steht vorerst still.
Quelle: RTS Wallis, 2024
Analyse éditoriale
Conclusion

Zwei Jahre nach dem 3. März 2024 gibt das faktische Urteil dem Nein-Lager im institutionellen Kern recht — nimmt ihm aber jede Illusion über die Folgen.

Die Gegner hatten in einem zentralen Punkt recht: Die Verfassung von 1907 konnte weiter funktionieren. Zwei Jahre später läuft der Kanton ohne neue Charta, ohne Krise und ohne Blockade. Das von den Befürwortern beschworene Argument des «überholten, lähmenden Textes» bestätigte sich in der Realität nicht.

Doch das Nein irrte sich bei seinem Rückzugsversprechen: Die Idee, man könne im abgelehnten Projekt «einkaufen gehen» und die guten Bestimmungen übernehmen, brach zusammen. Das Parlament verwarf jede Auffrischung, und fünf Jahre Verfassungsarbeit landeten im Papierkorb. Der Status quo siegte vollständig — Modernisierung inbegriffen, oder vielmehr nicht inbegriffen.

Der grosse Verlierer ist weniger ein Lager als eine Methode. Mit zwei Varianten und dem Stolperstein des Ausländerstimmrechts ebnete die Constituante dem Nein den Weg. Und die Abstimmung bestätigte, was die Reform zu heilen vorgab: den Graben zwischen einem defensiven Oberwallis und einem Unterwallis, das das Unbehagen unterschätzte. Der Text von 1907 hat noch viele schöne Tage vor sich.