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Refusée Fédéral Agriculture et alimentation 23 septembre 2018

Volksinitiative « Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle »

Am 23. September 2018 – am selben Tag wie die Fair-Food-Initiative – stimmte das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative « Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle » ab, lanciert von der Bauerngewerkschaft Uniterre. Die Vorlage wollte die Agrarpolitik auf…

Oui — 31.6% Non — 68.4%
Participation : 37.2%
L'enjeu de l'époque

Am 23. September 2018 – am selben Tag wie die Fair-Food-Initiative – stimmte das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative « Für Ernährungssouveränität. Die Landwirtschaft betrifft uns alle » ab, lanciert von der Bauerngewerkschaft Uniterre. Die Vorlage wollte die Agrarpolitik auf kleine Familienbetriebe und eine vielfältige Landwirtschaft ohne Gentechnik ausrichten.

Die 2016 eingereichte Initiative reagierte auf den Rückgang der Betriebe und den Druck auf die Bauerneinkommen. Sie verlangte, dass der Bund kostendeckende Preise garantiert, die landwirtschaftliche Beschäftigung fördert und importierte Produkte den sozialen und ökologischen Schweizer Normen unterstellt.

Bundesrat und Parlament empfahlen die Ablehnung: Die Vorlage galt als zu interventionistisch und als Doppelspurigkeit zur bestehenden Agrarpolitik. Eine breite Koalition von der Agrarrechten bis zur Wirtschaft sah darin ein Risiko von Verteuerung und Protektionismus, im Widerspruch zu den Handelsverpflichtungen der Schweiz.

Das Urteil war unmissverständlich: 68,4 % Nein (31,6 % Ja) bei rund 37 % Beteiligung. Nur zwei Westschweizer Kantone gaben dem Text eine Mehrheit.

Methodischer Hinweis : Diese Faktenkarte behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte betreffen ausschliesslich die überprüfbaren Kampagnenargumente – also jene, die sich mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgleichen lassen – und nicht den Urnengang selbst.
▲ Annehmende Kantone
Jura (rund 54 %) und Neuenburg (rund 53 %), die einzigen Kantone mit einer Ja-Mehrheit.
▼ Ablehnende Kantone
Die 24 übrigen Kantone. Deutliche Ablehnung in der übrigen Westschweiz (Genf, Waadt, Freiburg, Wallis) und massiv in der Deutschschweiz, wo das Nein oft über 70 % lag.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Uniterre (initiierende Bauerngewerkschaft)
SP und Grüne (teilweise Unterstützung)
Bewegungen für bäuerliche Landwirtschaft (La Vía Campesina)
Kleinproduzenten und Direktvermarktung
▼ Nein-Lager
Bundesrat (Johann Schneider-Ammann, WBF)
SVP, FDP, CVP, BDP
Schweizer Bauernverband (SBV)
economiesuisse und Exportkreise
Bemerkenswert : Bemerkenswert: Der Schweizer Bauernverband – der die betroffenen Bauern vertreten soll – bekämpfte die Initiative einer Bauerngewerkschaft, was die Spaltungen der Agrarwelt über das anzustrebende Modell verdeutlicht.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Das Verschwinden der Familienbetriebe stoppen
« Zwei bis drei Höfe verschwinden täglich in der Schweiz; die bäuerliche Landwirtschaft muss gestützt werden. »
— Uniterre, Kampagne 2018
✓~ Teilweise bestätigt
Der diagnostizierte strukturelle Rückgang setzte sich nach der Abstimmung fort: Die Schweiz zählte 2018 rund 51 000 Betriebe, 2023 etwas mehr als 48 000 – fast ein Hof weniger pro Tag. Das tatsächliche Tempo liegt unter den genannten « zwei bis drei », doch der Trend war real.
Source : BFS, Betriebsstrukturerhebung
Die Abhängigkeit von Importen verringern
« Die Schweiz hängt zunehmend von Importen ab, um sich zu ernähren. »
— Initiativkomitee, 2018
✓~ Teilweise bestätigt
Der Netto-Selbstversorgungsgrad blieb nach 2018 bei rund 50 %, ohne Verbesserung. Die von den Initianten betonte hohe Importabhängigkeit blieb bestehen; die Ablehnung änderte nichts an dieser strukturellen Tatsache.
Source : BLW / Agristat, Selbstversorgungsgrad
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Die Landwirtschaft wird bereits stark gestützt; die Initiative ist überflüssig
« Agrarpolitik und Direktzahlungen rahmen und stützen die Betriebe bereits weitgehend. »
— Bundesrat, Botschaft 2018
✓~ Teilweise bestätigt
Der bestehende Rahmen wurde beibehalten – rund 2,8 Milliarden Franken Direktzahlungen pro Jahr – und bei der Nachhaltigkeit sogar verstärkt: Nach der Ablehnung der Pestizid-Initiativen 2021 beschloss das Parlament einen Absenkpfad für Pestizide (Pa. Iv. 19.475). Dass das System bereits handelte, bestätigte sich teilweise.
Source : Parlament; BLW
Der Status quo schützt die Betriebe besser als ein Normenkorsett
« Mehr Regeln würden die Preise erhöhen, ohne die Höfe zu retten. »
— Überparteiliches Nein-Komitee, 2018
✗~ Teilweise widerlegt
Die Beibehaltung des Status quo stoppte den Rückgang der Betriebe nicht, der sich nach 2018 im selben Tempo fortsetzte. Die implizite Annahme, das bestehende Modell genüge zum Erhalt der Höfe, bestätigte sich nur teilweise.
Source : BFS, Betriebe 2018-2023

Faktische Bilanz

0
Bestätigt
3
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
0
Widerlegt
~
Die Höfe verschwanden weiter
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sank von rund 51 000 (2018) auf etwas mehr als 48 000 (2023). Der von Uniterre angeprangerte strukturelle Rückgang setzte sich fort, unabhängig vom Schicksal der Initiative.
Source : BFS
Die Nachhaltigkeit kam auf anderen Wegen voran
Nach der Ablehnung beschloss das Parlament 2021 einen Absenkpfad für Pestizide, und der Bio-Anteil erreichte 2023 fast 20 % der Flächen. Ein Teil der vom Bauernlager getragenen Ziele kam ausserhalb des vorgeschlagenen Rahmens voran.
Source : Parlament; BFS
~
Ein bestätigter Agrar-Röstigraben
Wie bei der am selben Tag verworfenen Schwesterinitiative unterstützten nur Westschweizer Kantone den Text, was eine anhaltende sprachliche Bruchlinie über das Agrarmodell und die Rolle des Staates bestätigt.
Source : BFS, Abstimmungen 2018
Analyse éditoriale
Conclusion

Die deutliche Ablehnung der Initiative für Ernährungssouveränität bestätigte die Vorsicht des Stimmvolks gegenüber jeder dirigistischen Neuausrichtung der Agrarpolitik. Dennoch geben die späteren Fakten der Diagnose der Initianten teilweise recht.

Das Verschwinden der Betriebe setzte sich fort und die Importabhängigkeit blieb hoch: In diesen Punkten sah Uniterre richtig, auch wenn die Initiative diese schweren Trends nicht zwingend umgekehrt hätte. Das Nein-Lager hatte recht zu betonen, dass die Landwirtschaft bereits stark gestützt wurde, doch der Status quo stoppte den Rückgang der Höfe ebenso wenig.

Im Kern entschied die Abstimmung eher eine Frage der Methode als des Ziels: Soll man Preise und ein Bauernmodell per Gesetz garantieren oder Markt und Direktzahlungen den Wandel steuern lassen? Die spätere Entwicklung – Pestizid-Absenkpfad, Bio-Aufschwung – zeigt eine schrittweise Anpassung statt des von den Initianten gewollten Bruchs.