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Refusée Vaud Environnement, climat et énergie 29 novembre 2009

Mühleberg: Die Waadtländer verweigern dem AKW den unbefristeten Freibrief (beratend)

Am 29. November 2009 werden die Waadtländer zu einem ungewöhnlichen Geschäft befragt: zur Stellungnahme, die der Kanton dem Bund zum Gesuch des Berner Unternehmens BKW abgeben soll, die zeitliche Befristung der Betriebsbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg aufzuheben (eingereicht am 25. Januar…

Oui — 35.7% Non — 64.3%
· Grand Conseil vaudois (vote consultatif)
L'enjeu de l'époque

Am 29. November 2009 werden die Waadtländer zu einem ungewöhnlichen Geschäft befragt: zur Stellungnahme, die der Kanton dem Bund zum Gesuch des Berner Unternehmens BKW abgeben soll, die zeitliche Befristung der Betriebsbewilligung des Kernkraftwerks Mühleberg aufzuheben (eingereicht am 25. Januar 2005). Der Staatsrat hatte eine befürwortende Stellungnahme abgegeben; der Grosse Rat wollte das Volk befragen.

Mühleberg, 1972 an der Aare in Betrieb genommen, ist eines der ältesten Kraftwerke des Landes. Der Nachbarkanton Waadt hat keinerlei Entscheidungsbefugnis: Zuständig ist allein der Bund über das Energiedepartement (UVEK). Die Abstimmung hat damit nur beratenden Charakter — eine Bürgermeinung, kein rechtlicher Riegel.

Die Debatte, gut ein Jahr vor der Katastrophe von Fukushima, stellt die Versorgungssicherheit dem Risiko eines unbefristeten Atombetriebs gegenüber. Bleibt die Frage, ob diese rein symbolische Meinung am Ende doch richtig lag.

Methodischer Hinweis — AfterVote entscheidet nur über Argumente, die sich anhand der seit der Abstimmung beobachteten Fakten überprüfen lassen. Versprechen und Befürchtungen, die noch offen oder nicht überprüfbar sind, werden nicht bewertet.
▲ Der Volksentscheid
Rund 64 % der Waadtländer lehnen die befürwortende Stellungnahme ab. Die Botschaft ist klar: kein grünes Licht für einen unbefristeten Betrieb von Mühleberg.
▼ Nur beratende Wirkung
Die Abstimmung bindet den Bund nicht: Der Waadtländer Staatsrat wird desavouiert, doch über die Zukunft des Werks entscheidet allein Bern (das UVEK).

Die Lager

▲ Ja-Lager (für die befürwortende Stellungnahme)
• Die Mehrheit des Waadtländer Staatsrats, für die Aufhebung der Befristung
FDP und SVP sowie die Wirtschaftskreise
• Die Betreiberin BKW FMB Energie AG, im Namen der Versorgungssicherheit
▼ Nein-Lager (dagegen)
• Die Waadtländer Grünen und die SP
• Atomkritische und Umweltverbände (Sortir du nucléaire)
• Eine gegenüber einem alternden Werk misstrauische Öffentlichkeit

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Mühleberg ist sicher und für die Versorgung unverzichtbar.
« Das Werk ist sicher und für die Energieversorgung nötig » (Argument von Betreiberin und Rechten, 2009).
✗~ Teilweise widerlegt.
Das Werk lief zwar bis 2019, doch Mängel (Risse im Kernmantel) und teure Sicherheitsauflagen bewogen die BKW zum Verzicht. Die Versorgung der Waadt und der Schweiz war nach der Abschaltung nicht gefährdet.
Quelle: Wikipedia, Kernkraftwerk Mühleberg; BKW.
Eine unbefristete Bewilligung sichert die langfristige Planung.
« Der Wegfall der Befristung schafft einen stabilen Horizont » (Argument der Befürworter, 2009).
✗ Widerlegt.
Das Bundesgericht verweigerte 2012 die unbefristete Betriebsbewilligung. Der Betrieb blieb streng befristet, bevor er aus Sicherheits- und Kostengründen ganz eingestellt wurde.
Quelle: SDA / RTS; Bundesgerichtsurteil, 2012.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Das Atomrisiko rechtfertigt keinen unbefristeten Betrieb.
« Ein altes Werk darf nicht endlos laufen » (Argument der Gegner, 2009).
✓ Bestätigt.
Nach Fukushima (2011) beschloss der Bund den schrittweisen Atomausstieg. Mühleberg, eines der ältesten Werke, wurde Ende 2019 abgeschaltet — im Sinne des Waadtländer Votums.
Quelle: Bundesrat, Beschluss von 2011; RTS.
Mühleberg ist zu alt für eine unbefristete Verlängerung.
« Das hohe Alter der Anlage verlangt eine Frist » (Argument der Gegner, 2009).
✓ Bestätigt.
1972 in Betrieb genommen, wurde Mühleberg am 20. Dezember 2019 endgültig vom Netz genommen, weil die Betreiberin die Sicherheitsinvestitionen für einen Weiterbetrieb als zu hoch erachtete.
Quelle: BKW, Ankündigung 2013; Abschaltung vom 20. Dezember 2019.

Die Bilanz, zehn Jahre danach

Die beratende Abstimmung von 2009 hatte keinerlei bindende Kraft — und doch lagen die Waadtländer Urnen zehn Jahre später richtig. Fukushima stellte die Schweizer Energiepolitik auf den Kopf, technische Mängel und Sicherheitskosten taten das Übrige, und das Werk wurde 2019 abgeschaltet. Die rechtlich ignorierte Bürgermeinung wurde von den Fakten bestätigt.

29.11.2009
Abstimmungsdatum (beratend)
≈ 64 %
Nein zur befürwortenden Stellungnahme
2019
Abschaltung Mühleberg
k. A.
Beteiligung
Zu beachten — Die Waadtländer Abstimmung war nur beratend: Entschieden wurde in Bern. Doch die Geschichte folgte den Urnen. Fukushima (2011), die Ausstiegsstrategie des Bundes und das Bundesgerichtsurteil besiegelten das Schicksal von Mühleberg, das am 20. Dezember 2019 vom Netz ging.
Analyse éditoriale
Conclusion

Die Abstimmung von 2009 ist ein seltener Fall: ein Votum ohne Macht, von dem der Kanton zum Vornherein weiss, dass es den Bund nicht bindet. Die Waadtländer nutzen es dennoch für eine klare Botschaft — rund 64 % weigern sich, einen unbefristeten Betrieb von Mühleberg gutzuheissen.

Damals wirkt der Entscheid rein symbolisch: Es entscheidet das UVEK. Der befürwortende Staatsrat wird von der eigenen Bevölkerung desavouiert, was rechtlich vorerst nichts ändert.

Die Geschichte aber gab den Urnen recht. Fukushima kippte 2011 die Schweizer Energiepolitik; Risse im Kernmantel und Sicherheitskosten taten den Rest. 2019 wird Mühleberg abgeschaltet — genau das, was die Waadtländer nicht hatten gutheissen wollen.

Die Argumente des Ja-Lagers — garantierte Sicherheit, gefährdete Versorgung — wurden von den Fakten weitgehend überholt. Ein beratendes Votum also, das gut gealtert ist.