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Acceptée Fédéral Économie, travail et fiscalité Sécurité sociale, santé et prévoyance 19 mai 2019

STAF — Steuerreform und AHV-Finanzierung

Am 19. Mai 2019 nimmt das Schweizer Stimmvolk mit 66,4% der Stimmen das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) an. Dieses hybride Paket verknüpft zwei an sich zusammenhanglose Geschäfte: eine Reform der Unternehmensbesteuerung und eine jährliche Zuführung von…

Oui — 66.38% Non — 33.6%
Participation : 43.74%
L'enjeu de l'époque

Am 19. Mai 2019 nimmt das Schweizer Stimmvolk mit 66,4% der Stimmen das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) an. Dieses hybride Paket verknüpft zwei an sich zusammenhanglose Geschäfte: eine Reform der Unternehmensbesteuerung und eine jährliche Zuführung von rund 2 Milliarden Franken an die AHV.

Die STAF entsteht aus der Asche der USR III, die im Februar 2017 deutlich verworfen wurde (59,1% Nein). Um die Abschaffung der besonderen Steuerstatus durchzubringen — von OECD und EU seit langem als unfair gerügt —, koppelt das Parlament die Reform diesmal an einen sozialen Teil: Jeder verlorene Steuerfranken wird durch einen Franken für die AHV ausgeglichen. Ein von den Gegnern als « Kuhhandel » verspotteter Kompromiss.

Es ging um zweierlei: einerseits um die internationale Konformität und die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz, andererseits um die Sanierung einer finanziell fragilen AHV. Die Reform führte zudem neue Steuerinstrumente ein (Patentbox, Abzüge für Forschung und Entwicklung, Aufdeckung stiller Reserven).

Am 19. Mai 2019 setzt sich das Ja mit 66,4% der Stimmen klar durch, bei einer Stimmbeteiligung von 43,7%. Bemerkenswert: Die Reform wird von sämtlichen Kantonen angenommen.

Methodischer Hinweis : Diese Vorlage wird sachlich und überparteilich behandelt. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf solche, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf die Abstimmung selbst.
▲ Annehmende Kantone
Alle 26 Kantone, ohne Ausnahme, nahmen die Reform an — von Zug (68,6%) über die gesamte Deutschschweiz und das Tessin bis in die Romandie.
▼ Ablehnende Kantone
Keiner. Die STAF fand in sämtlichen Kantonen eine Mehrheit — für eine Steuervorlage ein eher seltener Fall.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Bundesrat (Finanzminister Ueli Maurer)
FDP, Die Mitte / CVP (Unterstützung des Steuerteils)
SP (dank des AHV-Teils gewonnen)
Economiesuisse, Arbeitgeberverband (Wirtschaftskreise)
SGB und mehrere Gewerkschaften (von den 2 Milliarden für die AHV überzeugt)
▼ Nein-Lager
Die Grünen (gegen die Kopplung und die neuen Entlastungen)
Linke der Linken (PdA, solidaritéS)
Teile der SP-Basis (gespalten über den Kompromiss)
SVP (offiziell neutral / gespalten, kritisch zum AHV-Teil)
Bemerkenswert : Die Swissvotes-Datenbank fasst die STAF selbst als « Kuhhandel » zusammen — einen Tauschhandel zwischen Unternehmenssteuerreform und AHV-Finanzierung.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Die Abschaffung der Sonderstatus wahrt die Attraktivität
« Die Sonderregime werden international nicht mehr geduldet; sie abzuschaffen und zugleich die ordentlichen Sätze zu senken sichert Arbeitsplätze und Einnahmen. »
— Bundesrat, 2019
✓ Argument bestätigt
Die privilegierten Steuerstatus wurden per 1. Januar 2020 tatsächlich abgeschafft. Die Kantone senkten ihre ordentlichen Sätze, und die Schweiz blieb ein wettbewerbsfähiger Standort; später führte sie die OECD-Mindeststeuer von 15% ein (2023 angenommen, ab 2024 in Kraft).
Quelle: ESTV / EFD; OECD, Umsetzung 2020-2024.
Die Reform saniert die AHV
« Der soziale Teil bringt der Altersvorsorge rund 2 Milliarden Franken pro Jahr. »
— Komitee « Ja zur STAF », 2019
✓ Argument bestätigt
Die Zusatzfinanzierung der AHV von rund 2 Milliarden Franken pro Jahr trat bereits 2020 in Kraft und entlastete die Rechnung der Versicherung vorübergehend, noch vor der Reform AHV 21.
Quelle: BSV; AHV-Rechnung 2020-2021.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Eine widernatürliche Kopplung, die die Einheit der Materie verletzt
« Unternehmenssteuern und AHV zu verknüpfen ist eine verfassungswidrige Vermischung. »
— Linke Gegner / Junge SVP, 2019
✗ Argument widerlegt
Die eingereichten Beschwerden (namentlich aus der Waadt und Neuenburg) gegen die Gültigkeit des Ergebnisses wurden abgewiesen. Die Kopplung wurde als zulässig erachtet und die Reform trat vollumfänglich in Kraft.
Quelle: Beschwerdeentscheide 2019; Bundeskanzlei.
Alte Privilegien werden durch neue ersetzt
« Patentbox und F&E-Abzüge schaffen neue Steuernischen zugunsten der Grossunternehmen. »
— Die Grünen, 2019
✓~ Teilweise bestätigt
Neue präferenzielle Instrumente (Patentbox, F&E-Abzüge) wurden tatsächlich wie angekündigt eingeführt. Die erwarteten Steuerausfälle (rund 2 Milliarden) traten ein, in mehreren Kantonen teilweise durch dynamische Effekte kompensiert.
Quelle: ESTV / EFD, Umsetzung STAF 2020-2022.

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
0
Teilw. widerlegt
1
Widerlegt
Ende der Sonderstatus, kontrollierter Übergang
Die privilegierten Steuerregime verschwanden am 1. Januar 2020. Die Kantone passten ihre ordentlichen Sätze an, und die Schweiz behielt ihre Attraktivität, ohne massiven Firmenexodus.
Quelle: ESTV / EFD, 2020.
Die AHV gestärkt
Der soziale Teil brachte der AHV ab 2020 rund 2 Milliarden Franken pro Jahr — ein realer, wenn auch vorübergehender Zustupf vor der strukturellen Reform AHV 21.
Quelle: BSV, AHV-Rechnung 2020-2021.
~
Neue Nischen, dann der OECD-Schritt
Die Reform ersetzte die alten Status durch neue Instrumente (Patentbox, F&E). Die 2023 angenommene und ab 2024 geltende OECD-Mindeststeuer von 15% zeichnete danach einen Teil der Steuerlandschaft neu.
Quelle: ESTV; OECD, 2023-2024.
Analyse éditoriale
Conclusion

Von zwei Dritteln der Stimmenden und sämtlichen Kantonen angenommen, gelang der STAF, woran die USR III zwei Jahre zuvor gescheitert war: die Abschaffung der besonderen Steuerstatus durchzusetzen. Das Rezept? Eine bewusste Kopplung mit einer substanziellen AHV-Finanzierung, die einen Teil der Linken gewann.

In der Faktenprüfung bestätigten sich die Versprechen des Ja-Lagers: Die Sonderstatus verschwanden ohne wirtschaftliches Debakel, und die AHV erhielt tatsächlich ihre 2 Milliarden pro Jahr. Die Beschwerden gegen die Kopplung wurden zudem allesamt abgewiesen.

Die Gegner lagen in einem Punkt nicht falsch: Die Reform führte sehr wohl neue präferenzielle Instrumente ein. Doch die Steuergeschichte endete nicht hier: Die 2023 angenommene OECD-Mindeststeuer hat seither einen Teil der Karten neu gemischt — eine Erinnerung daran, dass der internationale Steuerwettbewerb den helvetischen Takt weitgehend vorgibt.