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Acceptée Vaud Sécurité sociale, santé et prévoyance 30 novembre 2008

Initiative « Passivrauchen und Gesundheit » und Gegenvorschlag

Am 30. November 2008 nahm der Kanton Waadt gleich zwei Vorlagen zum Schutz vor Passivrauchen an: die Volksinitiative « Passivrauchen und Gesundheit » (68,2 % Ja) und den Gegenvorschlag des Grossen Rates (69,4 % Ja). In der Stichfrage setzte sich…

Oui — 69.4% Non — 30.6%
L'enjeu de l'époque

Am 30. November 2008 nahm der Kanton Waadt gleich zwei Vorlagen zum Schutz vor Passivrauchen an: die Volksinitiative « Passivrauchen und Gesundheit » (68,2 % Ja) und den Gegenvorschlag des Grossen Rates (69,4 % Ja). In der Stichfrage setzte sich der Gegenvorschlag durch. Damit reihte sich Waadt unter die welschen Pionierkantone des rauchfreien Raums ein.

Die von der Westschweizer Koalition gegen das Passivrauchen und den Gesundheitskreisen getragene Initiative forderte ein striktes Rauchverbot in allen öffentlichen Innenräumen. Der vom Staatsrat und einer Mehrheit des Grossen Rates verteidigte Gegenvorschlag übernahm den Kern des Verbots, erlaubte jedoch bediente-freie Raucherräume — eine für das Gastgewerbe verträglichere Lösung.

Aus diesem doppelten Ja entstand das Waadtländer Gesetz über das Rauchverbot in öffentlichen Räumen (LIFLP), das am 15. September 2009 in Kraft trat — fast ein Jahr vor dem Bundesgesetz. Knapp zwanzig Jahre später prüft dieses Dossier die Versprechen der Befürworter und die Befürchtungen der Gegner anhand der seither beobachteten Fakten.

Methodischer Hinweis : Dieses Dossier behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Urteile betreffen ausschliesslich überprüfbare Wahlkampfargumente — also solche, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht den Urnengang selbst.
▲ Gesamtergebnis
Beide Vorlagen angenommen: Initiative « Passivrauchen und Gesundheit » 68,2 % Ja, Gegenvorschlag 69,4 % Ja. In der Stichfrage obsiegte der Gegenvorschlag und wurde zur Grundlage des späteren Gesetzes (LIFLP).
▼ Abstimmungskarte
Ein breites, homogenes Ja im ganzen Kanton, von den Städten bis zu den ländlichen Bezirken. Die doppelte Annahme zeigt einen seltenen Konsens: Die Waadtländer wollten ein Verbot — strittig war einzig dessen Strenge.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager (Schutz)
Westschweizer Koalition gegen das Passivrauchen (Initianten)
OxyRomandie, Ärzte und Lungenligen (Tabakprävention)
SP Waadt und die Grünen (Unterstützung des Verbots)
Staatsrat und Mehrheit des Grossen Rates (Träger des Gegenvorschlags)
▼ Nein-Lager (Gegner)
GastroVaud und Gastgewerbe (Sorge um die Cafés und Restaurants)
Freisinnig-liberaler Flügel und SVP (individuelle Freiheit, Wirtschaft)
Verfechter des Status quo für die Beizen (Verbot als überzogen empfunden)

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Gesundheit von Personal und Bevölkerung schützen
« Rauchfreie Luft schützt endlich das Gastropersonal, das dem Passivrauchen am stärksten ausgesetzt ist. »
✓ Bestätigt
Die in der Revue médicale suisse (2017) veröffentlichte Waadtländer Bilanz dokumentiert eine Verbesserung der Atemfunktion und des Wohlbefindens — auch beim Gastropersonal und bei Rauchern selbst.
Quelle: Revue médicale suisse (Zürcher, Pasche & Chinet, 2017)
Rasch akzeptiert und befolgt
« Ist das Gesetz einmal in Kraft, wird sich die Bevölkerung damit arrangieren und das Verbot einhalten. »
✓ Bestätigt
Das Inkrafttreten verlief ohne grössere Reibungen. Ein Jahr danach befürworteten rund 84 % der Waadtländer das Verbot — ein Zeichen breiter und dauerhafter Zustimmung.
Quelle: Unisanté / CIPRET-Vaud, Bilanz 10 Jahre LIFLP (2019)
Waadt kann Pionier sein, ohne auf Bern zu warten
« Der Kanton muss nicht auf ein Bundesgesetz warten, um seine Bevölkerung zu schützen. »
✓ Bestätigt
Die LIFLP trat am 15. September 2009 in Kraft, fast ein Jahr vor dem Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen (2010). Waadt gehörte zu den Pionierkantonen der lateinischen Schweiz.
Quelle: Kanton Waadt, Gesetz 800.02 (LIFLP)
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Eine Katastrophe für die Cafés und Restaurants
« Das Verbot wird die Beizen leeren und den Umsatz des Gastgewerbes einbrechen lassen. »
✗~ Teilweise widerlegt
Der angekündigte wirtschaftliche Zusammenbruch ist nicht dokumentiert. Die Umsetzung gelang ohne grössere Schwierigkeiten, und die Massnahme fand rasch breite Zustimmung — auch bei der Kundschaft. Die Branche passte sich an (Terrassen, bediente-freie Raucherräume).
Quelle: Unisanté / CIPRET-Vaud (2019)
Ein Eingriff in die individuelle Freiheit
« Man stigmatisiert die Raucher und erlässt ein freiheitsfeindliches Verbot. »
✗~ Teilweise widerlegt
Statt abgelehnt zu werden, normalisierte sich das Verbot: Die ein Jahr später gemessene Zustimmung (~84 %) zeigt, dass sich die befürchtete Ablehnung wegen Freiheitseinschränkung nicht bewahrheitete.
Quelle: Unisanté / CIPRET-Vaud (2019)
Besser eine einheitliche Bundesregelung
« Ein kantonales Verbot schafft einen Flickenteppich; man sollte auf eine harmonisierte Bundeslösung warten. »
✓~ Teilweise bestätigt
Das Bundesgesetz kam tatsächlich 2010 und schuf eine Phase kantonaler Unterschiede. Doch Waadt behielt seine strengere Regelung bei und bewies, dass eine « minimale » Bundesregelung kantonales Handeln nicht überflüssig macht.
Quelle: Bundes- und kantonale Gesetzgebung zum Passivrauchen
Zu beachten : Das Waadtländer Modell — striktes Verbot mit bediente-freien Raucherräumen, ohne reine Raucherlokale — erwies sich als schützender als der Bundesstandard von 2010. Die Sorge vor unlauterem Wettbewerb laxerer Kantone führte zu keiner Waadtländer Lockerung.

Faktische Bilanz

3
Bestätigt
1
Teilweise bestätigt
2
Teilweise widerlegt
0
Widerlegt
Analyse éditoriale
Conclusion

Im Kern hielt das doppelte Ja vom 30. November 2008 seine Versprechen: Der Schutz vor Passivrauchen wurde in der Waadt zur Selbstverständlichkeit — ohne das von den Gegnern beschworene Chaos.

Die gesundheitlichen Argumente der Befürworter wurden durch spätere Studien weitgehend bestätigt, und die Zustimmung wuchs eher, als dass sie schwand. Umgekehrt hielten die wirtschaftlichen Ängste des Gastgewerbes und der Vorwurf der Freiheitsbeschneidung der Faktenprüfung nicht stand.

Ein Punkt bleibt, in dem die Skeptiker teilweise recht hatten: Das Nebeneinander kantonaler und eidgenössischer Regeln schuf zeitweise einen helvetischen Flickenteppich. Doch Waadt bewies mit seinem Vorsprung und seiner Strenge, dass ein Kanton vorangehen kann, ohne auf Bern zu warten.