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Refusée Vaud Économie, travail et fiscalité 17 avril 2005

Waadtländer Steuerpaket: Steuererhöhungen und EMS-Gesetz

Anfang der 2000er-Jahre kommen die Waadtländer Finanzen aus einer langen Defizitserie. Zur Sanierung der Rechnung legt der Staatsrat — mit Pascal Broulis (FDP) als Finanzdirektor und dem neu gewählten Pierre-Yves Maillard (SP) — ein Paket gezielter Steuererhöhungen vor, ergänzt durch…

Oui — 38.5% Non — 61.5%
Participation : 35.3% · Conseil d'État vaudois ; référendum lancé par la droite et les milieux économiques
L'enjeu de l'époque

Anfang der 2000er-Jahre kommen die Waadtländer Finanzen aus einer langen Defizitserie. Zur Sanierung der Rechnung legt der Staatsrat — mit Pascal Broulis (FDP) als Finanzdirektor und dem neu gewählten Pierre-Yves Maillard (SP) — ein Paket gezielter Steuererhöhungen vor, ergänzt durch ein neues Gesetz über die Pflegeheime (EMS).

Am 17. April 2005 kommen fünf Vorlagen vor das Volk: Grundstückgewinnsteuer, ausserordentliche Vermögenssteuer, ausserordentliche Aufwandsteuer (Pauschalbesteuerung), Kürzung des Sparzinsabzugs sowie das EMS-Gesetz. Die bürgerliche Rechte und die Wirtschaftskreise ergreifen das Referendum.

Das Urteil ist eindeutig: Alle fünf Vorlagen werden abgelehnt, von der Grundstückgewinnsteuer (61,5 % Nein) bis zum EMS-Gesetz (76,2 % Nein), bei einer Beteiligung von rund 35 %. Die Waadtländer sagen Nein zu Steuererhöhungen — und die Zukunft wird ihnen weitgehend recht geben.

Methodischer Hinweis. Dieses Dossier bewertet nicht die Abstimmung selbst, sondern stellt allein die überprüfbaren Kampagnenargumente den seither beobachteten Fakten gegenüber. Versprechen der Sieger wie Befürchtungen der Verlierer werden an Daten und späteren Entscheiden gemessen.
▲ Das Ja-Lager (unterlegen)
Staatsrat, Sozialdemokraten und Linke verteidigten « gezielte » Erhöhungen zur Finanzierung von Schulen, Pflegeheimen und Spitälern. Alle Vorlagen werden abgelehnt.
▼ Fünf Vorlagen, fünf Mal Nein (17.04.2005)
Grundstückgewinnsteuer: 61,5 % Nein — Ausserordentliche Vermögenssteuer: 64,7 % — Ausserordentliche Aufwandsteuer: 52,2 % — Sparzinsabzug: 68,3 % — EMS-Gesetz: 76,2 %.

Die Akteure

▲ Ja-Lager (für die Erhöhungen)
Der Staatsrat als Kollegium, darunter Pascal Broulis (FDP, Finanzen) und Pierre-Yves Maillard (SP)
Die Sozialdemokratische Partei, die Grünen und die Gewerkschaften
Die Verteidiger der öffentlichen Leistungen (Schulen, Pflegeheime, Spitäler)
▼ Nein-Lager (Referendumskomitee)
Die bürgerliche Rechte (Freisinnige/Liberale, SVP) und die Wirtschaftskreise
Steuerzahler- und Wirtschaftsverbände
• Die Gegner jeder Steuererhöhung — auch die Basis der Partei des Finanzdirektors

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Ohne diese Einnahmen leiden die öffentlichen Leistungen
« Schulen, Pflegeheime, Spitäler und Prämienverbilligungen zahlen die Zeche »
Urteil: ✗ Durch die Fakten widerlegt.
Die angekündigten Kürzungen blieben aus: Schon ab Mitte der 2000er-Jahre erholten sich die Waadtländer Finanzen, und der Kanton reihte unter Broulis Überschüsse aneinander.
Quelle: Le Temps; Staatsrechnung Waadt
Eine « zumutbare », gezielte fiskalische Anstrengung
« der von den Waadtländer Steuerzahlern verlangte Aufwand ist zumutbar »
Urteil: ✗~ Als unnötig beurteilt — vom Volk und von der Folge.
Die Waadtländer lehnten den Aufwand ab, und die Finanzentwicklung gab ihnen recht: Der Kanton brachte seine Rechnung ohne diese Erhöhungen ins Lot und senkte später sogar die Steuern (Steuerschild 2009, USR III 2016).
Quelle: Le Temps
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Der Kanton kann seine Rechnung ohne neue Steuern ausgleichen
« sparen statt Steuern erhöhen »
Urteil: ✓ Bestätigt.
Das Budget 2005 sah bereits 200 Millionen Einsparungen vor; die Folgejahre schlossen mit Überschuss — was die These einer Sanierung ohne Steuererhöhung bestätigte.
Quelle: Le Temps; Kantonsrechnungen
Zu viele Steuern schaden der Attraktivität des Kantons
« Steuerzahler und Unternehmen nicht bestrafen »
Urteil: ✓~ Weitgehend bestätigt.
Waadt wurde danach steuerlich wettbewerbsfähiger (USR III 2016 wuchtig angenommen). Vorbehalt: Der Steuerschild von 2009 wurde wegen zu grosszügiger Anwendung auf hohe Einkommen kritisiert.
Quelle: Le Temps; 24 heures

Die Bilanz in Zahlen

5/5
Steuervorlagen abgelehnt am 17.04.2005
76,2%
Nein bei der meistabgelehnten (EMS-Gesetz)
~
~35%
Stimmbeteiligung
Überschüsse
Kantonsfinanzen in den Folgejahren saniert — ohne die Erhöhungen
Zu beachten. Die Abstimmung von 2005 sandte ein klares Signal: Die Waadtländer wollten keine Steuererhöhungen zur Sanierung. Die Folge gab ihnen im Kern recht — der Kanton erholte sich ohne sie —, auch wenn der später beschlossene Steuerschild die Grenzen fiskalischer Grosszügigkeit zeigen sollte.
Analyse éditoriale
Conclusion

Der 17. April 2005 inszeniert einen Waadtländer Klassiker: ein Staatsrat, der zur Sanierung eine fiskalische Anstrengung verlangt, und eine Wählerschaft, die klar Nein sagt. Pikant: Es ist die Rechte — die politische Familie von Finanzdirektor Pascal Broulis —, die das Referendum gegen das Regierungspaket anführt.

Die Ablehnung ist massiv und einheitlich: Alle fünf Vorlagen fallen, von der knappsten (Aufwandsteuer, 52,2 % Nein) bis zur deutlichsten (EMS-Gesetz, 76,2 %).

Die Folge gab den Gegnern recht. Statt der angekündigten Erstickung erholten sich die Kantonsfinanzen, und der Kanton häufte Überschüsse an — bis hin zu Steuersenkungen im folgenden Jahrzehnt. Die Befürchtungen des Ja-Lagers traten nicht ein.

Ein Vorbehalt bleibt: Die fiskalische Mässigung kippte zuweilen in Grosszügigkeit. Der 2009 beschlossene Steuerschild wurde kritisiert — und führte gar zu einer juristischen Kontroverse —, weil er die Steuern der Wohlhabendsten zu stark senkte. Für 2005 jedoch lag das Volk richtig.