Accueil / Genève / CEVA — der Kredit, der den Léman Express auslöste (Genfer Abstimmung 2009)
Acceptée Genève Environnement, climat et énergie 29 novembre 2009

CEVA — der Kredit, der den Léman Express auslöste (Genfer Abstimmung 2009)

Die Bahnverbindung zwischen Cornavin, Eaux-Vives und Annemasse ist keine neue Idee: Eine erste Vereinbarung zwischen Bund, SBB und Genf geht auf 1912 zurück. Fast ein Jahrhundert lang schlummert das Projekt in den Schubladen.2009 kommt Bewegung ins Dossier. Der Grosse Rat…

Oui — 61.2% Non — 38.8%
Participation : n.d.% · Conseil d'État et Grand Conseil genevois (loi du 26 juin 2009, crédit complémentaire de 113,5 millions) ; référendum lancé par des comités d'opposants
L'enjeu de l'époque

Die Bahnverbindung zwischen Cornavin, Eaux-Vives und Annemasse ist keine neue Idee: Eine erste Vereinbarung zwischen Bund, SBB und Genf geht auf 1912 zurück. Fast ein Jahrhundert lang schlummert das Projekt in den Schubladen.

2009 kommt Bewegung ins Dossier. Der Grosse Rat beschliesst am 26. Juni einen Zusatzkredit von 113,5 Millionen Franken, um die Finanzierung der CEVA getauften Infrastruktur abzusichern. Gegner — vor allem Anwohner, die Lärm und Erschütterungen fürchten — ergreifen das Referendum.

Am 29. November 2009 entscheidet das Genfer Stimmvolk: 61,2% Ja, und nahezu alle Gemeinden dafür. Die « Baustelle des Jahrhunderts » ist lanciert. Zehn Jahre später wird daraus der Léman Express.

Methodischer Hinweis — AfterVote beurteilt ausschliesslich die überprüfbaren Argumente im Licht der seit der Abstimmung beobachteten Fakten. Noch offene oder nicht überprüfbare Versprechen und Befürchtungen werden nicht bewertet.
Das Verdikt der Urne (29. November 2009)
▲ Ja (angenommen)
61,2% Ja zum Zusatzkredit
• Nahezu alle Gemeinden dafür
• Kredit von 113,5 Millionen zur Sicherung der Finanzierung
▼ Nein (abgelehnt)
38,8% Nein
• Widerstand bei einzelnen Anwohnern konzentriert
• Referendum von lokalen Komitees ergriffen

Die Lager

▲ Ja-Lager
Genfer Staatsrat, namentlich Mark Muller (FDP, zuständig für Raumplanung)
Nahezu alle Parteien (FDP, SP, Grüne, CVP) und der Grosse Rat mit grosser Mehrheit
SBB, Kreise des öffentlichen Verkehrs und der VCS (Verkehrs-Club)
▼ Nein-Lager
Anwohnerkomitees, insbesondere im Quartier Champel (unter dem ein Tunnel verläuft)
Verein « für eine bessere französisch-genferische Mobilität » und diverse lokale Gegner
Einzelne Gegner, die Erschütterungen und Körperschall entlang der Strecke befürchten

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Eine grenzüberschreitende S-Bahn entlastet Strassen und Grenzübergänge.
« Die CEVA ist das Rückgrat der Mobilität von morgen im Grand Genève » (Ja-Lager, 2009).
✓ Bestätigt.
Der aus der CEVA hervorgegangene, im Dezember 2019 eröffnete Léman Express bildete das grösste grenzüberschreitende Bahnnetz Europas. Die Frequenz übertraf die Erwartungen: rund 70 000 Reisende pro Tag statt der zum Start erhofften 50 000.
Quellen: Léman Express, regionale Presse.
Ein hundertjähriges Projekt muss endlich verwirklicht werden.
« Seit fast hundert Jahren wartet man auf diese Verbindung; jetzt muss sie gebaut werden » (Ja-Lager, 2009).
✓ Bestätigt.
Die Bauarbeiten begannen im November 2011, und das Werk — 16 km grösstenteils unterirdische Gleise — ging Ende 2019 in Betrieb. Die Genfer Bahn-Seeschlange ist tatsächlich aus dem Boden gewachsen.
Quellen: SBB, Kanton Genf.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Die Anwohner erleiden Erschütterungen und Körperschall entlang der ganzen Strecke.
« Die Bewohner von Champel und anderswo zahlen den Preis für Züge unter ihren Häusern » (Nein-Lager, 2009).
✗~ Eher nicht eingetreten.
Die Bautechniken (tiefe Tunnel, Vibrationsschutz) beantworteten die Befürchtungen weitgehend: Die Inbetriebnahme erfolgte ohne Massenklagen oder dauerhafte Anwohnermobilisierung. Das 2009 beschworene Risiko trat nicht im angekündigten Ausmass ein.
Quellen: regionale Presse, Léman Express.
Der Kredit ist zu hoch für das, was das Projekt wirklich bringt.
« Man bindet Dutzende Millionen ohne Garantie auf Fahrgäste » (Nein-Lager, 2009).
✗ Nicht eingetreten.
Die Frequenz übertraf die Prognosen, und das Netz wurde zum Rückgrat des regionalen Verkehrs. Die Investition erwies sich, weit entfernt von einem Fass ohne Boden, als eine der prägendsten der jüngeren Kantonsgeschichte.
Quellen: Léman Express, Frequenzstatistiken.

Die Bilanz, mehr als fünfzehn Jahre später

29.11.2009
Abstimmungsdatum
61,2 %
Ja (angenommen)
≈70 000
Reisende/Tag (Léman Express)
2019
Inbetriebnahme
Anmerkung — 1912 ersonnen, 2009 beschlossen, 2019 eröffnet: Die CEVA brauchte über ein Jahrhundert, um aus dem Boden zu wachsen. Als Léman Express bildet sie heute die grösste grenzüberschreitende S-Bahn Europas. Der Beweis, dass in Genf gute Ideen am Ende doch fahren — wenn auch im Schritttempo.
Analyse éditoriale
Conclusion

Die Abstimmung vom 29. November 2009 wird als eines der grossen Infrastruktur-Ja der jüngeren Genfer Geschichte in Erinnerung bleiben. Mit der Freigabe eines im Projektmassstab bescheidenen Kredits genehmigten die Bürgerinnen und Bürger den Abschluss einer fast hundertjährigen Seeschlange.

Der Rückblick fällt hier zugunsten des Ja-Lagers aus. Die Versprechen grenzüberschreitender Mobilität wurden über die Erwartungen hinaus eingelöst, während die Befürchtungen der Gegner — Belästigung der Anwohner, finanzielles Fass ohne Boden — nicht im angekündigten Ausmass eintraten.

Die CEVA zeigt eine zur Seequerung umgekehrte Genfer Mechanik: Sagt das Volk Ja zu einem konkreten und finanzierten Projekt, entsteht das Werk am Ende. Vom ersten Projekt 1912 bis zur Eröffnung 2019 brauchte es allerdings über hundert Jahre institutioneller Geduld.