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Acceptée Fédéral Économie, travail et fiscalité Environnement, climat et énergie 27 septembre 1998

Bundesgesetz über eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)

Am 27. September 1998 nimmt das Schweizer Volk mit 57,2 % das Bundesgesetz über eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) an. Die Abstimmung legt einen der Grundpfeiler der schweizerischen Verkehrspolitik und der Bahnfinanzierung.Die LSVA besteuert Lastwagen nach gefahrenen Kilometern, Gewicht und Emissionen.…

Oui — 57.2% Non — 42.8%
Participation : 51.81%
L'enjeu de l'époque

Am 27. September 1998 nimmt das Schweizer Volk mit 57,2 % das Bundesgesetz über eine leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) an. Die Abstimmung legt einen der Grundpfeiler der schweizerischen Verkehrspolitik und der Bahnfinanzierung.

Die LSVA besteuert Lastwagen nach gefahrenen Kilometern, Gewicht und Emissionen. Verteidigt von Bundesrat Moritz Leuenberger, Vorsteher des Departements für Umwelt und Verkehr, soll sie den Güterverkehr auf der Strasse bremsen und die grossen alpenquerenden Bahntunnel (NEAT) finanzieren.

Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband (ASTAG) ergreift das Referendum, unterstützt von der SVP und Teilen der Strassenwirtschaft. Er prangert eine Strafsteuer an, welche die gesamte Wirtschaft verteuere und die Randregionen benachteilige.

Das Ja-Lager bildet eine breite Allianz: Bundesrat, Linke, CVP, FDP, Gewerkschaften, Arbeitgeber, Umweltkreise und Alpen-Initiative. Am 27. September liegt die Beteiligung bei 51,8 %; die LSVA tritt am 1. Januar 2001 in Kraft.

Methodischer Hinweis: Diese Faktenseite behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Wahlkampfargumente — also auf jene, die mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgeglichen werden können — und nicht auf den Urnengang selbst.
▲ Annehmende Kantone
Aargau, Appenzell Ausserrhoden, Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Genf, Graubünden, Luzern, Nidwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Tessin, Uri, Waadt, Wallis, Zug und Zürich.
▼ Ablehnende Kantone
Appenzell Innerrhoden, Freiburg, Glarus, Jura, Neuenburg, Obwalden, Schwyz und Thurgau.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Bundesrat (Moritz Leuenberger, Vorsteher UVEK)
Mehrheit des Parlaments (Nationalrat 120-46, Ständerat 22-14)
CVP, FDP, SP, Grüne, EVP ; economiesuisse, Arbeitgeberverband, Schweizerischer Gewerkschaftsbund, Travail.Suisse
Alpen-Initiative und Umweltkreise
▼ Nein-Lager
ASTAG (Nutzfahrzeugverband), Urheber des Referendums
SVP, LPS, Freiheits-Partei, Lega
Schweizerischer Gewerbeverband (SGV)
Strassen- und Autokreise
Bemerkenswert: ungewöhnliche Allianz — Arbeitgeber (economiesuisse) und Gewerkschaften (SGB) verteidigten die LSVA gemeinsam, während Gewerbe und Transporteure sie bekämpften.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Den Verkehr von der Strasse auf die Schiene verlagern
« Die LSVA wird das Wachstum des Schwerverkehrs bremsen und die Verlagerung der Güter auf die Schiene fördern. »
— Bundesrat und Alpen-Initiative (1998)
✓~ Teilweise bestätigt
Die Zahl der Lastwagenfahrten durch die Alpen ging nach Einführung der LSVA tatsächlich zurück, von rund 1,4 Millionen im Jahr 2000 auf etwa 900 000. Das gesetzliche Verlagerungsziel — 650 000 Fahrten pro Jahr — wurde jedoch nie erreicht.
Quelle: BAV ; Verlagerungsstatistik
Die grossen alpenquerenden Bahntunnel finanzieren
« Die Einnahmen der LSVA werden die NEAT und die Modernisierung der Bahn finanzieren. »
— Bundesrat (1998)
✓ Argument bestätigt
Die LSVA speist den Fonds für den öffentlichen Verkehr (FinöV, später BIF) und trug entscheidend zur Finanzierung der NEAT bei: Lötschberg-Basistunnel (2007), Gotthard (2016) und Ceneri (2020).
Quelle: swissvotes.ch/vote/442.00 ; BAV
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Eine Abgabe, welche die ganze Wirtschaft verteuert
« Die LSVA wird die Preise in die Höhe treiben, die Wirtschaft belasten und die Konsumenten treffen. »
— ASTAG, Referendumskomitee (1998)
✗ Argument widerlegt
Die Auswirkungen der LSVA auf Preise und Teuerung blieben marginal, und die Schweizer Wirtschaft erlebte nicht den angekündigten Schock. Der Strassentransport passte sich an — schwerere Lastwagen (Limite auf 40 Tonnen erhöht), weniger Leerfahrten und Effizienzgewinne.
Quelle: BAV ; BFS, Preisindex
Ein harter Schlag für die Randregionen
« Die Abgabe wird die Berg- und Randregionen erdrosseln, die auf die Strasse angewiesen sind. »
— Ländliche Gegner (1998)
✗~ Teilweise widerlegt
Die Befürchtungen einer Erstickung der Randregionen bewahrheiteten sich nicht im grossen Stil, nicht zuletzt dank Umverteilungsmechanismen und Anpassungen der Branche. Die Debatte über die Transportkosten für gewisse Regionen verschwand jedoch nie ganz.
Quelle: BAV ; Année politique suisse

Affiches de campagne (15)

Faktische Bilanz

1
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
1
Widerlegt
Die grossen Alpentunnel finanziert
Die LSVA speiste den Fonds, der die NEAT finanzierte: Lötschberg (2007), Gotthard-Basistunnel (2016) und Ceneri (2020), Rückgrat der europäischen Verkehrsverlagerung.
Quelle: BAV
~
Eine reale, aber unvollendete Verlagerung
Die Zahl der die Alpen querenden Lastwagen ging deutlich zurück, erreichte aber nie das gesetzliche Ziel von 650 000 Fahrten pro Jahr. Die Verlagerung ist real, aber teilweise.
Quelle: BAV ; Verlagerungsstatistik
Eine dauerhafte Einnahme ohne Wirtschaftsschock
Die LSVA bringt heute rund 1,5 bis 1,6 Milliarden Franken pro Jahr ein, verteilt auf Bund und Kantone, ohne den von ihren Gegnern angekündigten wirtschaftlichen Schaden.
Quelle: BAV ; BAZG
Analyse éditoriale
Conclusion

Am 27. September 1998 führt das Volk trotz des Referendums der Transporteure die LSVA ein. Der Entscheid erweist sich als einer der prägendsten der schweizerischen Verkehrspolitik der letzten dreissig Jahre.

Die Wette der Bahnfinanzierung ging auf: Dank der LSVA hat die Schweiz die Basistunnel von Lötschberg, Gotthard und Ceneri gebaut und bezahlt — eines der ehrgeizigsten Infrastrukturprojekte Europas.

Die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene ist hingegen nur halb gelungen: Der alpenquerende Lastwagenverkehr sank, doch das gesetzliche Ziel von 650 000 Fahrten bleibt unerreicht. Die von den Gegnern beschworenen wirtschaftlichen Ängste bewahrheiteten sich dagegen nicht.

Am Ende eine Bilanz weitgehend zugunsten der Versprechen des Ja-Lagers: ein dauerhaftes Steuerinstrument, finanzierte Tunnel, eine teilweise Verlagerung und eine Wirtschaft, die nicht zusammenbrach.