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Refusée Fédéral Sécurité, défense et justice 18 mai 2014

Verordnung über die Beschaffung des Kampfflugzeugs Gripen (Gripen-Fonds)

Am 18. Mai 2014 stimmt die Schweiz über das Gesetz ab, das einen Fonds zur Finanzierung des Kaufs von 22 Kampfflugzeugen Gripen E des schwedischen Herstellers Saab schaffen soll – für 3,126 Milliarden Franken. Ziel: die alternden F-5 Tiger ersetzen…

Oui — 46.59% Non — 53.4%
Participation : 56.32%
L'enjeu de l'époque

Am 18. Mai 2014 stimmt die Schweiz über das Gesetz ab, das einen Fonds zur Finanzierung des Kaufs von 22 Kampfflugzeugen Gripen E des schwedischen Herstellers Saab schaffen soll – für 3,126 Milliarden Franken. Ziel: die alternden F-5 Tiger ersetzen und die Flotte neben den F/A-18 verstärken.

Das Referendum wird von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und der Linken ergriffen, die 65 384 Unterschriften sammeln. Der Bundesrat, eine Mehrheit des Parlaments (Nationalrat 119-71, Ständerat 25-17) und die bürgerlichen Parteien befürworten die Beschaffung; SP, Grüne und Grünliberale lehnen sie ab.

Der Abstimmungskampf ist von zwei Ereignissen geprägt. Im Februar 2014 verschärft die Annahme der SVP-Initiative «gegen Masseneinwanderung» das politische Klima. Vor allem enthüllt die Entführung eines äthiopischen Flugzeugs nach Genf, dass der Luftpolizeidienst damals nur zu Bürozeiten funktioniert – ein peinliches Eingeständnis für eine Kampagne, die sicherheitspolitische Dringlichkeit beschwört.

Das Volk lehnt den Fonds mit 53,41 % ab (46,59 % Ja) bei einer Beteiligung von 56,32 %. Die Westschweiz stimmt geschlossen dagegen. Es ist eine schallende Niederlage für Verteidigungsminister Ueli Maurer und die Armee.

Methodischer Hinweis : Diese Faktenkarte behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte betreffen ausschliesslich die überprüfbaren Kampagnenargumente – also jene, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen – und nicht das Ergebnis selbst.
▲ Annehmende Kantone
Aargau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, St. Gallen, Solothurn, Schwyz, Thurgau, Uri, Zug (14 Kantone)
▼ Ablehnende Kantone
Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Freiburg, Genf, Jura, Neuenburg, Schaffhausen, Tessin, Waadt, Wallis, Zürich (12 Kantone)

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Ueli Maurer (SVP-Bundesrat, Chef VBS, Gesicht der Kampagne)
Bundesrat (befürwortende Haltung)
SVP, FDP, CVP, BDP (befürwortende bürgerliche Parteien)
AUNS (Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz)
economiesuisse, SGV (Wirtschaftsverbände)
▼ Nein-Lager
GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, Urheberin des Referendums)
SP, Grüne, PdA (Parteien der Linken)
Grünliberale (GLP) (bemerkenswerte bürgerliche Opposition)
SGB, VPOD (Gewerkschaften)
Bemerkenswert : 91 % der in der Presse geschalteten Inserate warben für das Ja, und die Armee verfügte über beträchtliche Kampagnenmittel. Der Fonds wurde dennoch abgelehnt – ein seltener Fall, in dem die Werbe-Übermacht nicht genügte.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Die Flotte muss erneuert werden: die F-5 Tiger sind veraltet
« Ohne neues Flugzeug kann die Schweiz den Schutz ihres Luftraums nicht dauerhaft sicherstellen. »
— Ja-Lager und Bundesrat, Abstimmungsbüchlein 2014
✓ Argument bestätigt
Der Erneuerungsbedarf war real. Nach dem Nein lancierte der Bund das Programm Air2030; am 27. September 2020 nahm das Volk den 6-Milliarden-Rahmen für neue Flugzeuge an, und 2021 entschied sich der Bundesrat für den amerikanischen F-35A. Die Notwendigkeit, eine alternde Flotte zu ersetzen, wurde damit langfristig bestätigt.
Quelle: VBS, Programm Air2030; Abstimmung vom 27.09.2020.
Ohne Gripen ist die 24-Stunden-Überwachung des Himmels nicht mehr gesichert
« Ein permanenter Luftpolizeidienst kann nicht gewährleistet werden, wenn der Gripen abgelehnt wird. »
— Ueli Maurer, Bundesrat (VBS), Kampagne 2014
✗ Argument widerlegt
Der Luftpolizeidienst wurde mit den F/A-18 aufrechterhalten und ab Ende 2020 auf eine permanente 24-Stunden-Abdeckung ausgeweitet – ganz ohne Gripen. Das Szenario eines schutzlosen Luftraums trat nicht ein.
Quelle: Schweizer Luftwaffe, Einführung des permanenten Luftpolizeidienstes (2020-2021).
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Der Gripen E ist ein «Papierflieger», noch in Entwicklung
« Man verlangt von uns, ein Flugzeug zu kaufen, das noch nicht existiert und dessen Leistung ungewiss ist. »
— GSoA und linke Gegner, Kampagne 2014
✓~ Teilweise bestätigt
Der Gripen E war 2014 tatsächlich noch nicht einsatzbereit. Bei der neuen Ausschreibung Air2030 reichte Saab den Gripen nicht einmal mehr ein, und der weit leistungsfähigere F-35A wurde gewählt. Die Zweifel an der Eignung des Flugzeugs wurden damit bestärkt.
Quelle: Air2030, Wahl des F-35A (2021); Saab nicht im Verfahren.
Ein Verzicht spart den Steuerzahlenden Milliarden
« Diese 3,1 Milliarden wären anderswo besser eingesetzt; die Schweiz kann auf diese Ausgabe verzichten. »
— Nein-Lager, Kampagne 2014
✗ Argument widerlegt
Die Schweiz sparte nicht: Sie sprach schliesslich einen Rahmen von 6 Milliarden für den F-35 – fast das Doppelte des Gripen-Fonds. 2025 belastete ein Streit über Mehrkosten von 650 Millionen bis 1,3 Milliarden die Rechnung zusätzlich. Der Verzicht von 2014 senkte die Ausgaben für die Luftverteidigung nicht.
Quelle: Abstimmung Air2030 vom 27.09.2020; Kontroverse um F-35-Mehrkosten (2025).

Affiches de campagne (1)

Faktische Bilanz

1
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
0
Teilw. widerlegt
2
Widerlegt
Ein realer Bedarf, sieben Jahre später bestätigt
Das Nein hat die Notwendigkeit einer Modernisierung der Militärluftfahrt nicht entkräftet. Das Programm Air2030, der 2020 angenommene 6-Milliarden-Rahmen und die Wahl des F-35A 2021 bestätigten, dass die Flotte tatsächlich erneuert werden musste.
Quelle: VBS, Air2030.
~
Das richtige Nein, das falsche Flugzeug
Die Stimmenden lehnten nicht die Idee eines neuen Flugzeugs ab, sondern dieses Flugzeug. Dass Saab den Gripen in der nächsten Runde nicht mehr einreichte und der F-35 bevorzugt wurde, verleiht den 2014 geäusserten Zweifeln an der Eignung des Gripen rückblickend Gewicht.
Quelle: Verfahren Air2030 (2019-2021).
!
Am Ende eine höhere Rechnung
Das Sparargument hielt nicht: Das F-35-Programm (rund 6 Milliarden, vor den umstrittenen Mehrkosten von 2025) kostet deutlich mehr als die 3,1 Milliarden des Gripen. Das Nein von 2014 senkte die Ausgaben nicht – es verschob und erhöhte sie.
Quelle: Abstimmung Air2030 (2020); Streit um F-35-Mehrkosten (2025).
Analyse éditoriale
Conclusion

Das Nein zum Gripen-Fonds bleibt eine der bittersten Niederlagen der Armee vor dem Volk. Mit 91 % der Inserate für das Ja und der Unterstützung von Bundesrat, Parlament und Wirtschaftsverbänden galt das bürgerliche Lager als klarer Favorit. Es scheiterte dennoch – an den Zweifeln am Flugzeug selbst und an einer Kampagne, die durch die Entführung nach Genf untergraben wurde, welche die sehr realen Grenzen des schweizerischen Luftpolizeidienstes offenlegte.

Rückblickend hatten beide Lager teilweise recht. Das Ja-Lager traf den Kern: Die Flotte musste erneuert werden, was Air2030 und die Abstimmung von 2020 bestätigten. Das Nein-Lager traf das Objekt: Der noch in Entwicklung befindliche Gripen E war nicht die beste Wahl, was die spätere Wahl des F-35 implizit bestätigte.

Das Argument, das der Zeit nicht standhielt, ist jenes der Ersparnis. Mit dem Aufschub der Entscheidung ersparte sich die Schweiz keine Ausgabe: Sie kaufte ein teureres Flugzeug, am Ende eines längeren Prozesses, der nun von Streitigkeiten über Mehrkosten überschattet ist.

Die Abstimmung von 2014 war somit weniger eine Ablehnung der Luftverteidigung als die Ablehnung eines Flugzeugs und einer Methode. Das Volk schickte die Armee zurück an die Arbeit; die Armee kam sieben Jahre später mit einem anderen Flugzeug und einer höheren Rechnung zurück.