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Acceptée Fédéral Culture et médias 15 mai 2022

Änderung des Filmgesetzes («Lex Netflix»)

Am 15. Mai 2022 stimmte das Schweizer Volk über die Revision des Filmgesetzes ab, genannt «Lex Netflix». Die vom Parlament verabschiedete Vorlage war mit einem Referendum der jungen bürgerlichen Parteien (Jungfreisinnige, Junge SVP, Junge GLP) bekämpft worden.Kern der Reform: die…

Oui — 58.4% Non — 41.6%
Participation : 39.5%
L'enjeu de l'époque

Am 15. Mai 2022 stimmte das Schweizer Volk über die Revision des Filmgesetzes ab, genannt «Lex Netflix». Die vom Parlament verabschiedete Vorlage war mit einem Referendum der jungen bürgerlichen Parteien (Jungfreisinnige, Junge SVP, Junge GLP) bekämpft worden.

Kern der Reform: die Pflicht für Streamingplattformen mit Umsatz in der Schweiz, 4 % ihrer Schweizer Bruttoeinnahmen in die nationale Film- und Audiovisionsproduktion zu investieren oder eine Ersatzabgabe zu leisten. Hinzu kam eine Quote von 30 % europäischer Werke in den Katalogen.

Das zentrale Argument der Befürworter war Fairness: Schweizer Fernsehsender unterlagen bereits einer Investitionspflicht, während Netflix, Disney+ und Co. davon befreit waren. Die Gegner warnten vor steigenden Abopreisen und einer Einschränkung der freien Wahl.

Es ging um die nachhaltige Finanzierung des Schweizer Films im Streaming-Zeitalter. Die Stimmbeteiligung war mit 39,5 % bescheiden, und das Gesetz wurde deutlich angenommen, getragen von einer massiven Westschweizer Zustimmung.

Methodischer Hinweis: Diese Übersicht behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf das, was mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgleichbar ist — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Annehmende Kantone
19 Kantone. Massive Westschweizer Zustimmung: Waadt (76,1 %), Genf (74,6 %), Neuenburg (70,5 %), Jura (64,7 %), Freiburg (63,9 %). Bern (59,8 %) und Wallis (59 %) folgten.
▼ Ablehnende Kantone
Sieben Kantone, vor allem aus der Zentral- und Ostschweiz: Schaffhausen (57,8 %), Schwyz (57,6 %), Obwalden, Appenzell I.Rh., Nidwalden, Thurgau und Uri. Bei einem Bundesgesetz zählte nur das Volksmehr.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Bundesrat und Mehrheit des Parlaments
SP, Grüne, Mitte, GLP
Filmbranche (Cinésuisse, ARF/FDS)
SRG und Kulturkreise
▼ Nein-Lager
Jungfreisinnige, Junge SVP (Initianten des Referendums)
Junge GLP
FDP und SVP (Mehrheiten)
Liberale Kreise und einige Plattformen
Bemerkenswert : Ein typischer Generationen- und Sprachgraben: Die Reform wurde von Kulturkreisen getragen und in der Westschweiz breit befürwortet, während das Referendum von den bürgerlichen Jungparteien ausging.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Die Plattformen finanzieren das Schweizer Filmschaffen
« Die Streaming-Riesen müssen 4 % ihrer Schweizer Einnahmen ins nationale Filmschaffen reinvestieren. »
— Ja-Komitee, 2022
✓ Argument bestätigt
Bestätigt: Das Gesetz trat am 1. Januar 2024 in Kraft. Ende März 2024 hatten sich über 70 Unternehmen gemeldet, davon 21 abgabepflichtig, bei einem deklarierten Umsatz von 752 Millionen Franken und einer Mindestinvestition von rund 30 Millionen; 15,9 Millionen waren im ersten Jahr bereits zugeteilt.
Quelle: BAK; Le Temps / 24 heures, 2024.
Die Plattformen werden den Schweizer TV-Sendern gleichgestellt
« Es ist unfair, dass Schweizer Sender investieren und Netflix befreit ist. »
— Filmbranche, 2022
✓ Argument bestätigt
Bestätigt: Seit 2024 unterliegen die Streamingdienste einer Investitionspflicht, die mit jener der Schweizer Sender vergleichbar ist. Die von den Befürwortern angestrebte regulatorische Angleichung ist erfolgt.
Quelle: BAK, Umsetzung des Filmgesetzes.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Die Abos werden teurer
« Die Plattformen wälzen die 4-%-Abgabe auf die Schweizer Abopreise ab. »
— Referendumskomitee, 2022
✗~ Teilweise widerlegt
Teilweise widerlegt: Die seit 2022 beobachteten Preiserhöhungen bei Netflix und Co. sind weltweit und an andere Faktoren gebunden (Preisstrategie, Ende des Konto-Sharings). Kein spezifisch schweizerischer Zuschlag, der der 4-%-Abgabe zuzuschreiben wäre, ist dokumentiert.
Quelle: Preismitteilungen der Plattformen, 2022-2024.
Die Europaquote schränkt die Auswahl ein
« 30 % europäische Werke vorzuschreiben verarmt das verfügbare Angebot. »
— Gegner, 2022
✗ Argument widerlegt
Widerlegt: Die Kataloge der grossen Plattformen in Europa übertreffen diese Schwelle bereits; keine Angebotsreduktion für Schweizer Abonnenten wurde seit Inkrafttreten festgestellt. Die befürchtete Verarmung trat nicht ein.
Quelle: Katalogbeobachtung; BAK.

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
0
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
1
Widerlegt
Schweizer Film: eine neue Finanzierung
In Kraft seit 2024, mobilisierte das Gesetz 21 abgabepflichtige Unternehmen und brachte schon im ersten Jahr 15,9 Millionen Franken ein, bei einem Ziel von rund 30 Millionen. Die Pflicht wird über vier Jahre bemessen, zu erfüllen bis Ende 2027.
Quelle: BAK, 2024.
Regulatorische Gleichstellung: Ziel erreicht
Die Streamingplattformen unterliegen nun denselben Investitionslogiken wie die Schweizer Sender und schliessen die von den Befürwortern beklagte Asymmetrie.
Quelle: BAK.
~
Abopreise: kein isolierbarer Effekt
Die Abos wurden seit 2022 teurer, doch diese Erhöhungen sind weltweit und gehen auf die Strategie der Plattformen zurück; kein dem Gesetz zurechenbarer Schweizer Zuschlag liess sich isolieren.
Quelle: Mitteilungen der Plattformen, 2022-2024.
Analyse éditoriale
Conclusion

Die «Lex Netflix» verdeutlichte einen klassisch gewordenen Graben: eine der Kulturregulierung breit zugeneigte Westschweiz gegen eine zurückhaltendere Zentralschweiz, und einen Generationengraben zwischen Kulturkreisen und liberalen Jungparteien.

Faktisch bestätigte sich das Hauptargument der Befürworter: Das Gesetz wird seit 2024 angewandt, die Plattformen sind abgabepflichtig, und die ersten Millionen flossen ins Schweizer Filmschaffen — auch wenn die Gesamtbilanz erst um 2027 messbar sein wird.

Die Befürchtungen der Gegner lassen sich dagegen kaum belegen: Zwar wurden die Abos teurer, doch diese Erhöhungen sind weltweit und nicht spezifisch schweizerisch, und die Europaquote verarmte das Angebot nicht.

Vier Jahre nach der Abstimmung erscheint die Reform vor allem als reibungslos absorbierte regulatorische Anpassung, deren reale Wirkung auf den Schweizer Film sich langfristig noch bestätigen muss.