Accueil / Genève / Genf nimmt die kantonale RFFA an: einheitlicher Satz von 13,99 % für alle Unternehmen
Acceptée Genève Économie, travail et fiscalité 19 mai 2019

Genf nimmt die kantonale RFFA an: einheitlicher Satz von 13,99 % für alle Unternehmen

Am 19. Mai 2019 stimmen die Genferinnen und Genfer über das kantonale Umsetzungsgesetz zur Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF/RFFA) ab. Der Rahmen ist zwingend: Unter dem Druck von OECD und EU musste die Schweiz die steuerlichen Sonderstatus für multinationale Konzerne abschaffen.…

Oui — 58.2% Non — 41.8%
· Conseil d'État genevois (loi cantonale d'application de la RFFA)
L'enjeu de l'époque

Am 19. Mai 2019 stimmen die Genferinnen und Genfer über das kantonale Umsetzungsgesetz zur Steuerreform und AHV-Finanzierung (STAF/RFFA) ab. Der Rahmen ist zwingend: Unter dem Druck von OECD und EU musste die Schweiz die steuerlichen Sonderstatus für multinationale Konzerne abschaffen. Jeder Kanton muss nun einen neuen, für alle Unternehmen gültigen Steuersatz festlegen.

Genf, Hochburg internationaler Gesellschaften, steht viel auf dem Spiel: Ein falsch kalibrierter Satz bedeutet Steuerflucht. Der Staatsrat schlägt einen einheitlichen Gewinnsteuersatz von 13,99 % vor — gegenüber rund 24,2 % für bisher ordentlich besteuerte Firmen — flankiert von Sozialmassnahmen. Das Ganze ist Frucht eines knappen Kompromisses zwischen FDP und SP.

Die Debatte stellt zwei Lesarten gegenüber: für die einen eine unverzichtbare Senkung, um Arbeitsplätze zu sichern und Konzerne zu halten; für die anderen ein Steuergeschenk an die Unternehmen zulasten der öffentlichen Einnahmen. Bleibt die Frage, wer fünf Jahre später recht hatte.

Methodischer Hinweis — AfterVote entscheidet nur über Argumente, die sich anhand der seit der Abstimmung beobachteten Fakten überprüfen lassen. Versprechen und Befürchtungen, die noch offen oder nicht überprüfbar sind, werden nicht bewertet.
▲ Der Volksentscheid
Die kantonale Reform wird mit 58,2 % Ja angenommen. Genf führt einen einheitlichen Gewinnsteuersatz von 13,99 % für alle Unternehmen ein.
▼ Die Linke der Linken unterliegt
Das Nein, getragen von Ensemble à Gauche und den Gewerkschaften, bleibt in der Minderheit (rund 42 %). Es prangerte ein Steuergeschenk und drohende Einnahmenverluste an.

Die Lager

▲ Ja-Lager
• Der Staatsrat (Nathalie Fontanet, FDP), Trägerin der Reform
FDP und CVP sowie die Arbeitgeber (FER Genève, CCIG)
• Die SP, « unter Schmerzen » dem Kompromiss beigetreten; die Grünen gespalten (Enthaltung)
▼ Nein-Lager
Ensemble à Gauche, frontal gegen die Reform
• Die Gewerkschaften (CGAS) und die Juso
• Ein Teil der Linken, der von einem « Kuhhandel » zwischen FDP und SP sprach

Argumente und Urteile

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Ohne wettbewerbsfähigen Satz verlassen Konzerne und Arbeitsplätze Genf.
« Ein attraktiver Satz ist überlebenswichtig für Wohlstand und Arbeit in Genf » (Argument des Ja-Lagers, 2019).
✓ Bestätigt.
Genf behielt seine Konzerne nach der Reform. Statt einzubrechen, schnellte die Gewinnsteuer hoch: Die Rechnung 2022 weist einen Rekordüberschuss aus, davon rund 672 Millionen aus der Unternehmensbesteuerung.
Quelle: Léman Bleu / Radio Lac, Rechnung 2022 des Kantons Genf.
Der Kompromiss finanziert bedeutende Sozialmassnahmen.
« Die Reform geht mit einem Sozialpaket einher (Krankenkassenverbilligungen) » (Argument der SP, 2019).
✓ Bestätigt.
Das Paket enthielt einen Gegenvorschlag zur Initiative IN170 und eine Erhöhung der Prämienverbilligungen (rund 186 Millionen). Diese Sozialmassnahmen begleiteten die Steuersenkung tatsächlich.
Quelle: ge.ch; Tribune de Genève.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Ein Steuergeschenk zulasten der öffentlichen Einnahmen.
« Ein Kuhhandel, der die Staatskasse leert » (Argument von Ensemble à Gauche, 2019).
✗~ Teilweise widerlegt.
Der erwartete Verlust (rund 400 Millionen) führte zu keinem dauerhaften Loch: Nach einem Einbruch 2020 erholten sich die Einnahmen bis zu einem Rekordüberschuss 2022. Das angekündigte massive Budgetloch blieb aus.
Quelle: Léman Bleu, Rechnung 2022; Tribune de Genève.
Die Senkung nützt vor allem den Grosskonzernen.
« Die grossen Gruppen sind die ersten Gewinner » (Argument der Gegner, 2019).
✗~ Teilweise widerlegt.
Die Konzerne mit Sonderstatus sahen ihre Last im Gegenteil steigen (von rund 9-11 % auf 13,99 %), während die zuvor mit rund 24,2 % besteuerten ordentlichen KMU die grossen Profiteure der Senkung auf 13,99 % sind.
Quelle: ge.ch, Umsetzung der RFFA; Wirtschaftspresse.

Die Bilanz, fünf Jahre danach

Die Genfer Wette ging weitgehend auf. Die Reform erreichte ihr doppeltes Ziel: Abschaffung der Sonderregime für Konzerne bei gleichzeitig wettbewerbsfähigem Einheitssatz. Die internationalen Firmen blieben, und nach einem konjunkturellen Einbruch 2020 erreichten die Steuereinnahmen Höchstwerte, die die Kantonsrechnung 2022 zu einem Rekordüberschuss trugen.

19.05.2019
Abstimmungsdatum
58,2 %
Ja (angenommen)
13,99 %
Einheitlicher Steuersatz
k. A.
Beteiligung
Zu beachten — Die Genfer RFFA gilt oft als unerwarteter Erfolg: Trotz Befürchtungen eines Einnahmeneinbruchs behielt der Kanton seine Konzerne, und die Unternehmenssteuer brach 2022 Rekorde. Die Sonderstatus hingegen verschwanden tatsächlich.
Analyse éditoriale
Conclusion

Mit 58,2 % angenommen, ist die Genfer RFFA eine Antwort auf einen äusseren Zwang: die unter internationalem Druck erfolgte Abschaffung der Steuerstatus, die Genf zum Paradies für Konzerne machten. Der Kanton musste rasch reagieren, sonst drohte der Abzug eines Grossteils seiner Steuersubstanz.

Die gewählte Lösung — ein tiefer Einheitssatz, kompensiert durch ein Sozialpaket — ist ein sehr genferischer Kompromiss zwischen FDP und einer « unter Schmerzen » beigetretenen SP. Die radikale Linke sieht darin ein Geschenk an die Unternehmen und zieht in den Kampf. Sie verliert.

Die Fakten gaben dem Ja-Lager weitgehend recht. Die Konzerne blieben, und die Gewinnsteuer brach nicht ein, sondern explodierte: Rekordüberschuss 2022. Das von den Gegnern versprochene Budgetloch blieb aus.

Eine Nuance haben beide Lager unterschätzt: Es waren die Konzerne, deren Last stieg, und die ordentlichen KMU, die am meisten von der Senkung profitierten. Die Reform war weniger « Geschenk an die Grossen » als ein Ausgleich nach unten.