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Acceptée Vaud Société, famille et égalité 04 septembre 2011

Gesetz über die obligatorische Schule (LEO) und Initiative « Schule 2010 »

Am 4. September 2011 entscheiden die Waadtländer eine der heftigsten Schuldebatten ihrer jüngeren Geschichte. Auf dem Stimmzettel: die Initiative « École 2010 – Sauver l'école », die eine Selektion in drei Zügen auf der Sekundarstufe bewahren und Noten sowie Frontalunterricht…

Oui — 52% Non — 48%
Participation : 40%
L'enjeu de l'époque

Am 4. September 2011 entscheiden die Waadtländer eine der heftigsten Schuldebatten ihrer jüngeren Geschichte. Auf dem Stimmzettel: die Initiative « École 2010 – Sauver l'école », die eine Selektion in drei Zügen auf der Sekundarstufe bewahren und Noten sowie Frontalunterricht stärker gewichten will; und ein Gegenvorschlag des Grossen Rates, das neue Gesetz über die obligatorische Schule (LEO).

Das Volk lehnt die Initiative mit 55,4 % Nein ab und nimmt die LEO mit 52 % der Stimmen an. Die Beteiligung liegt bei rund 40 %. Es setzt sich damit der von den Behörden — namentlich der sozialdemokratischen Staatsrätin und Bildungsdirektorin Anne-Catherine Lyon — getragene Weg durch.

Die LEO schafft den dritten Zug der Sekundarstufe, die als stigmatisierend geltende « Voie secondaire à options » (VSO), ab und ersetzt ihn durch ein Zwei-Wege-System — vorgymnasialer Zug (VP) und allgemeiner Zug (VG) mit Niveaus. Sie verlegt zudem die Jahre 7-8 in die Primarstufe und setzt das interkantonale HarmoS-Konkordat um. Der Text tritt zum Schuljahr 2013 in Kraft.

Methodischer Hinweis: Diese Vorlage wird faktisch und überparteilich behandelt. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf jene, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Ja — 52%
Die LEO (Gegenvorschlag der Behörden) wird mit 52 % angenommen. Es setzt sich die vom Staatsrat getragene Zwei-Wege-Reform durch.
▼ Nein — 48%
Die Initiative « École 2010 », die drei selektive Züge erhalten wollte, wird mit 55,4 % abgelehnt. Beteiligung rund 40 %.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager (LEO)
Anne-Catherine Lyon (SP), Bildungsdirektorin
Der Staatsrat und die Mehrheit des Grossen Rates
SP, Grüne und Teile der Mitte
Mehrere Lehrer- und Elternverbände, die die HarmoS-Harmonisierung befürworten
▼ Nein-Lager (Initiative École 2010)
Das Komitee « Sauver l'école », Urheber der Initiative
Die Waadtländer SVP und Teile der FDP
Kreise, die an der Selektion in drei Zügen und an Noten festhalten
• Ein Teil der Sekundarlehrerschaft

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Zwei durchlässige Wege sind besser als drei stigmatisierende Züge
« Schluss mit dem Zug, der Schüler brandmarkt. » — LEO-Befürworter
Urteil : ✓ Bestätigt. Die VSO wurde abgeschafft; das Zwei-Wege-System (VP und VG mit Niveaus), mit möglichen Umstufungen während des Zyklus, trat 2013 in Kraft und funktioniert seither.
Die Zehn-Jahres-Bilanzen bestätigen eine höhere Durchlässigkeit und das Verschwinden des am stärksten abgewerteten Zuges.
Quelle : Kanton Waadt; 24 heures, 2023
Die Waadtländer Schule mit der übrigen Schweiz harmonisieren (HarmoS)
« Eintritt in den Schweizer Bildungsraum. »
Urteil : ✓ Bestätigt. Die LEO setzte HarmoS um: Einschulung ab 4 Jahren, Jahre 7-8 in der Primarstufe, früherer Notenbeginn und früheres Sprachenlernen.
Der Kanton richtete sich an der interkantonalen Struktur aus, ohne Rückkehr zum alten Modell.
Quelle : Kanton Waadt, Ablauf der obligatorischen Schule
Ein vom Volk gebilligter Kompromiss statt eines Rückschritts
« Die vernünftige Reform gegen die Nostalgie. »
Urteil : ✓~ Eher bestätigt. Die LEO hielt: keine Aufhebung, stabile Struktur seit 2013. Doch Debatten über Orientierung und Schülerbelastung bestehen fort, und eine Zehn-Jahres-Bilanz wurde im Grossen Rat verlangt.
Der Text etablierte sich dauerhaft, blieb aber Gegenstand regelmässiger pädagogischer Diskussionen.
Quelle : Grosser Rat Waadt, Postulat Induni, 2022
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Die Abschaffung der VSO senkt das Niveau nach unten
« Ohne klare Züge zieht man alle nach unten. » — Komitee « Sauver l'école »
Urteil : ✗~ Weitgehend widerlegt. Keine breite Nivellierung wurde dokumentiert: Das Niveausystem erhält eine Differenzierung in Französisch, Mathematik und Deutsch.
Kritik an der Orientierung bleibt, doch die Angst vor einem allgemeinen Niveauverfall bestätigte sich nicht.
Quelle : 24 heures, Zehn-Jahres-Bilanz, 2023
Ohne drei Züge und Notenprimat werden gute Schüler gebremst
« Man opfert die Besten. »
Urteil : ✗~ Eher widerlegt. Der vorgymnasiale Zug (VP) bleibt anspruchsvoll und führt ans Gymnasium; Bestände und Erfolgsquoten zur Matura brachen nicht ein.
Der Exzellenzzug wurde in anderer Form bewahrt, was das Szenario gebremster Spitzenschüler widerlegt.
Quelle : Kanton Waadt, Schulstatistik
Die Reform wird die Waadtländer Schule desorganisieren
« Das ist programmiertes Chaos. »
Urteil : ✗ Widerlegt. Die Umsetzung 2013 erfolgte ohne grössere Desorganisation; die Schule verkraftete den Übergang.
Das angekündigte Chaos-Szenario trat nicht ein.
Quelle : Kanton Waadt; kantonale Presse

Faktische Bilanz

Über zehn Jahre später hat die LEO gehalten: Die Zwei-Wege-Struktur besteht seit 2013, HarmoS ist umgesetzt, keine Aufhebung machte die Reform rückgängig. Die Ängste des Initiativlagers — Nivellierung, Opferung der Besten, Schulchaos — bestätigten sich nicht, auch wenn die pädagogischen Debatten über die Orientierung lebhaft bleiben.

3→2
Züge auf der Sekundarstufe (VSO abgeschafft)
52%
Ja zur LEO
55,4%
Nein zur Initiative « École 2010 »
2013
Inkrafttreten der Reform
Hinweis: 2022 verlangte ein Postulat eine Zehn-Jahres-Bilanz der LEO. Die Debatte dreht sich nun um Feinjustierungen — Niveaus, Orientierung, Durchmischung — nicht mehr um das Prinzip der Reform.
Analyse éditoriale
Conclusion

Am 4. September 2011 zogen die Waadtländer die ausgehandelte Reform der militanten Nostalgie vor. Mit der Ablehnung der Initiative « École 2010 » und der Annahme der LEO billigten sie den Übergang von drei auf zwei Züge und den vollen Eintritt in HarmoS.

In der Praxis ging die Wette der Behörden auf: Die Reform etablierte sich, der stigmatisierendste Zug verschwand und der Exzellenzweg wurde in anderer Form bewahrt. Die Prophezeiungen von Chaos und Nivellierung trafen nicht ein.

Dennoch hat die LEO die Waadtländer Schuldebatte nicht beendet: Zehn Jahre später beschäftigen Fragen der Orientierung, der Niveaus und der Schülerbelastung weiterhin den Grossen Rat. Die Reform änderte die Architektur, nicht die Waadtländer Leidenschaft für ihre Schule.