Accueil / Fédéral / Unternehmenssteuerreform III (USR III)
Refusée Fédéral Économie, travail et fiscalité 12 février 2017

Unternehmenssteuerreform III (USR III)

Am 12. Februar 2017 lehnte das Schweizer Stimmvolk die dritte Unternehmenssteuerreform (USR III) mit 59,1 % Nein ab. Nur vier Kantone nahmen sie an. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 46,8 %.Die Reform wollte die — von OECD und EU beanstandeten…

Oui — 40.9% Non — 59.1%
Participation : 46.8%
L'enjeu de l'époque

Am 12. Februar 2017 lehnte das Schweizer Stimmvolk die dritte Unternehmenssteuerreform (USR III) mit 59,1 % Nein ab. Nur vier Kantone nahmen sie an. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 46,8 %.

Die Reform wollte die — von OECD und EU beanstandeten — Steuerprivilegien von Holding- und gemischten Gesellschaften abschaffen und zugleich neue Instrumente (Patentbox, Forschungsabzüge, fiktive Zinsen) sowie finanzielle Ausgleiche an die Kantone einführen.

Die Linke unter Führung der SP, der Grünen und der Gewerkschaften ergriff das Referendum und prangerte massive Steuerausfälle und ein « Geschenk » an die Aktionäre an. Zwei Jahre später wurde eine korrigierte Fassung — die STAF — mit 66,4 % angenommen.

Dieses Factsheet misst die Kampagnenargumente an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten.

Methodischer Hinweis : Dieses Factsheet behandelt die Abstimmung faktenbasiert und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also jene, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf den Urnengang selbst.
▲ Annehmende Kantone
Waadt, Nidwalden, Zug und Tessin (4 Kantone).
▼ Ablehnende Kantone
Die übrigen 22 Kantone, mit der deutlichsten Ablehnung in Bern (68,4 %), im Jura (66,9 %), in Solothurn (65,9 %) und in Freiburg (63,2 %).

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Bundesrat und Bundesverwaltung
FDP, SVP, Mitte, BDP die bürgerliche Mehrheit
economiesuisse und die Wirtschaftskreise
▼ Nein-Lager
SP Urheberin des Referendums
Die Grünen und die Linke
SGB, Unia und Gewerkschaften Gewerkschaftsfront
Bemerkenswert : Christian Levrat (SP) fasste die Haltung des Nein-Lagers zusammen: Die Reform sei tragbar, « sofern sie von den Unternehmen selbst finanziert und für die Bürger neutral ist ».

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (2)
Ohne Reform wandern die Unternehmen ab und Rechtsunsicherheit entsteht
« Es besteht die reale Gefahr, dass sich Gesellschaften nicht mehr ansiedeln oder sogar wegziehen. »
— Ueli Maurer, Finanzminister, 2017
✗~ Teilweise widerlegt
Die Reform war zwar nötig, doch das Katastrophenszenario trat nicht ein: Bereits im Mai 2019 wurde eine korrigierte Fassung (STAF) angenommen, die Privilegien wurden per 1. Januar 2020 abgeschafft und der Wirtschaftsstandort blieb attraktiv.
Quelle: admin.ch / EFD, STAF-Abstimmung 2019.
Die Steuerprivilegien müssen abgeschafft werden
« Die Schweiz hat sich gegenüber der OECD verpflichtet, diese umstrittenen Regimes aufzuheben. »
— Bundesrat, 2017
✓ Argument bestätigt
Die Privilegien von Holdings, Domizil- und gemischten Gesellschaften wurden mit dem Inkrafttreten der STAF am 1. Januar 2020 tatsächlich abgeschafft.
Quelle: EFD / Kantone, Umsetzung STAF.
▼ Argumente DAGEGEN (2)
Die Vorlage ist unausgewogen und kostet Milliarden
« Die Ausfälle erreichten allein beim Bund mindestens 1,3 Milliarden pro Jahr, bezahlt von den Bürgern. »
— Referendumskomitee (SP/SGB), 2017
✓~ Teilweise bestätigt
Die Vorlage galt als überrissen und wurde durch die ausgewogenere STAF ersetzt: gedeckelte Abzüge und ein sozialer Ausgleich über eine AHV-Zusatzfinanzierung von rund 2 Milliarden pro Jahr.
Quelle: admin.ch, Botschaft STAF 2018.
Eine bessere Reform ist möglich, wenn man diese ablehnt
« Ein Nein verhindert keine ausgewogene und mehrheitsfähige Reform. »
— SP, 2017
✓ Argument bestätigt
Die STAF, im Mai 2019 mit 66,4 % angenommen, brachte eine korrigierte und mit der AHV-Finanzierung verknüpfte Fassung — und bestätigte die Referendumsstrategie von 2017.
Quelle: admin.ch, Abstimmung vom 19. Mai 2019.

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
0
Widerlegt
Zwei Jahre später wurde eine korrigierte Reform angenommen
Das Nein von 2017 blockierte die Reform nicht: Die am 19. Mai 2019 mit 66,4 % angenommene STAF schaffte die Privilegien ab und fügte einen Sozialteil (AHV-Finanzierung) hinzu. Die Referendumsstrategie ging auf.
Quelle: admin.ch, STAF-Abstimmung 2019.
~
Das Katastrophenszenario trat nicht ein
Trotz der Warnung des Finanzministers folgte auf die Abschaffung der Privilegien (2020) kein dokumentierter Firmenexodus. Die zweijährige Verzögerung verlängerte jedoch eine Phase der Unsicherheit für die Kantone.
Quelle: EFD / Kantone.
Analyse éditoriale
Conclusion

Das Nein zur USR III war ein symbolträchtiger Sieg der Linken, die ein zu unternehmensfreundliches und für die Gemeinwesen teures Projekt anprangerte. Das Urteil der Fakten gab ihr weitgehend recht.

Die Notwendigkeit einer Reform war unbestritten: Die Steuerprivilegien mussten unter dem Druck der OECD verschwinden, was geschah. Doch das Nein-Lager hatte im Kern recht: Eine ausgewogenere Reform war möglich. Die 2019 mit 66,4 % angenommene STAF bewies es.

Die Warnung des Bundesrats vor einem Firmenexodus und dauerhafter Rechtsunsicherheit bestätigte sich hingegen nicht. Das rasche Finden einer neuen Fassung begrenzte den Schaden, auch wenn die Kantone zwei Jahre Unsicherheit erlebten.

Letztlich tötete das Nein von 2017 die Reform nicht: Es lenkte sie um und fügte einen sozialen Ausgleich hinzu, der die Folgefassung deutlich mehrheitsfähig machte.