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Refusée Fédéral Économie, travail et fiscalité Sécurité sociale, santé et prévoyance 05 juin 2016

Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen»

Am 5. Juni 2016 lehnt das Schweizer Stimmvolk die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» deutlich ab — die weltweit erste Abstimmung über ein garantiertes Grundeinkommen. Lanciert von einem parteilosen Bürgerkomitee (um Daniel Häni und Enno Schmidt), verlangte sie, in der…

Oui — 23.06% Non — 76.9%
Participation : 46.95%
L'enjeu de l'époque

Am 5. Juni 2016 lehnt das Schweizer Stimmvolk die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» deutlich ab — die weltweit erste Abstimmung über ein garantiertes Grundeinkommen. Lanciert von einem parteilosen Bürgerkomitee (um Daniel Häni und Enno Schmidt), verlangte sie, in der Verfassung den Grundsatz eines Einkommens zu verankern, das der gesamten Bevölkerung ein würdiges Dasein ermöglicht.

Der Verfassungstext bezifferte weder Höhe noch Finanzierung. Die Initianten nannten jedoch eine Grössenordnung von 2500 Franken pro Monat für Erwachsene und 625 Franken pro Kind — geschätzte Kosten von rund 200 Milliarden Franken jährlich, zu finanzieren über Steuern und den Umbau der Sozialwerke.

Die Initiative wird von 76,9 % der Stimmenden und allen Kantonen verworfen. Bundesrat, Parlament (157 zu 19 im Nationalrat) und fast alle Parteien empfahlen die Ablehnung. Die Stimmbeteiligung erreicht 46,9 %, beflügelt vom neuartigen Thema.

Methodischer Hinweis: Dieses Dossier behandelt die Abstimmung faktisch und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf jene, die mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgeglichen werden können — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Annehmende Kantone
Kein Kanton hat die Initiative angenommen — alle 26 Kantone lehnten sie ab. Genf (40,1 %) verzeichnet den höchsten Ja-Anteil, ohne je die Mehrheit zu erreichen.
▼ Ablehnende Kantone
Alle 26 Kantone (in der Zentral- und Ostschweiz über 80 % Nein): Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Schaffhausen, Appenzell A.Rh., Appenzell I.Rh., St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf, Jura.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Parteiloses Bürgerkomitee (Daniel Häni, Enno Schmidt, Oswald Sigg)
BIEN-Schweiz (Netzwerk Grundeinkommen)
Teile der Grünen und der Juso
Intellektuelle und Künstler
▼ Nein-Lager
Bundesrat (empfahl Ablehnung)
Parlament (157 zu 19 im Nationalrat)
SVP, FDP, Mitte und SP-Mehrheit
economiesuisse, sgv (Arbeitgeber)
Gewerkschaftsbund (skeptisch)
Bemerkenswert: Es war die weltweit erste Volksabstimmung ausdrücklich über ein bedingungsloses Grundeinkommen — was ihr eine internationale Medienaufmerksamkeit weit über ihrem Ergebnis bescherte.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Kaum jemand würde aufhören zu arbeiten
« Nur 2 % der Schweizerinnen und Schweizer würden bei einem Grundeinkommen aufhören zu arbeiten. »
— Initiativkomitee (Demoscope-Umfrage)
✓~ Teilweise bestätigt
Spätere Versuche — namentlich das finnische Experiment (2017-2018) — zeigten keinen massiven Rückzug vom Arbeitsmarkt, eher einen nahezu neutralen Beschäftigungseffekt und mehr Wohlbefinden. Die Voraussage ist plausibel, blieb aber in der Schweiz ungetestet.
Quelle: Kela (Finnland), Evaluationsberichte 2019-2020.
Die Idee wird sich in der Debatte durchsetzen
« Auch bei einem Nein ist das Grundeinkommen eine Zukunftsidee, die ihren Weg machen wird. »
— Daniel Häni
✓~ Teilweise bestätigt
Die Debatte hielt tatsächlich an: Pilotprojekt Rheinau (ZH), internationale Versuche, wiederkehrende Diskussionen. Eine konkrete Umsetzung folgte in der Schweiz jedoch nicht, und Rheinau scheiterte an der Finanzierung.
Quelle: Le Temps (Rheinau), Presse 2017-2021.
Ein Netz gegen die Automatisierung
« Die Digitalisierung wird massenhaft Stellen vernichten; ein Grundeinkommen ist die Antwort. »
— Befürworter
✗~ Teilweise widerlegt
Die Furcht vor technologischer Massenarbeitslosigkeit bestätigte sich nicht: Die Schweizer Arbeitslosenquote blieb niedrig (oft um 2-3 % laut Seco), auch nach der Pandemie, nahe der Vollbeschäftigung.
Quelle: Seco, BFS, Arbeitslosenstatistik 2016-2024.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Untragbare Kosten und stark steigende Steuern
« Die Finanzierung von rund 200 Milliarden jährlich erforderte massive Steuererhöhungen. »
— Bundesrat / economiesuisse
✓ Argument bestätigt
Die Finanzierungsfrage fand nie eine glaubwürdige Antwort und bleibt das zentrale Hindernis: Selbst das bescheidene private Pilotprojekt Rheinau scheiterte an der Mittelbeschaffung.
Quelle: Botschaft des Bundesrats, Le Temps (Scheitern Rheinau).
Fehlanreiz zur Arbeit und Personalmangel
« Ein garantiertes Einkommen schwächte den Arbeitsanreiz und verschärfte den Fachkräftemangel. »
— Parlament / Arbeitgeber
✗~ Teilweise widerlegt
Internationale Versuche (Finnland) zeigten keinen signifikanten Rückgang der Erwerbstätigkeit; der befürchtete massive Fehlanreiz ist durch die verfügbaren Daten nicht bestätigt, wurde aber in der Schweiz nicht getestet.
Quelle: Kela (Finnland), Evaluation 2019-2020.
Ein Blankoscheck: Höhe und Finanzierung ungesichert
« Der Text legt weder Höhe noch Finanzierung fest: ein Blankoscheck. »
— Gegner der Initiative
✓ Argument bestätigt
Der Verfassungstext nannte tatsächlich weder Betrag noch Finanzierungsweise; die 2500 Franken waren nur eine Schätzung des Komitees. Diese reale Unbestimmtheit wog schwer bei der Ablehnung.
Quelle: Initiativtext, offizielle Abstimmungsbroschüre 2016.

Affiches de campagne (9)

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
2
Teilw. bestätigt
2
Teilw. widerlegt
0
Widerlegt
!
Kein Grundeinkommen eingeführt
Von fast 77 % der Stimmenden und allen Kantonen verworfen, führte die Initiative zu keiner Umsetzung. Bislang hat kein Land ein volles bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt, und die Schweiz kam auf Bundesebene nicht darauf zurück.
Quelle: admin.ch, RTS.
~
Eine Debatte, die das Ergebnis überlebte
Die Idee nährte weiter die Reflexion: Pilotprojekt Rheinau (mangels Geldern aufgegeben), finnisches Experiment, wiederkehrende Diskussionen über garantiertes Einkommen und negative Einkommenssteuer.
Quelle: Le Temps, Kela, Presse 2017-2024.
Keine technologische Flutwelle auf dem Arbeitsmarkt
Das zentrale Ja-Argument einer drohenden Massenarbeitslosigkeit durch Automatisierung bestätigte sich nicht: Der Schweizer Arbeitsmarkt blieb robust, mit niedriger Arbeitslosigkeit.
Quelle: Seco, BFS.
Analyse éditoriale
Conclusion

Die Abstimmung von 2016 war eine Weltpremiere, endete aber mit einer der klarsten Ablehnungen des Jahrzehnts. Sie stellte eine Gesellschaftsvision einer Budgetgleichung gegenüber — und Letztere dominierte: Das Fehlen von Höhe und Finanzierung im Text lieferte den Gegnern ein entscheidendes, kaum bestreitbares Argument.

Im Rückblick erweisen sich die Ängste beider Lager als teilweise übertrieben. Spätere internationale Versuche bestätigten weder den Zusammenbruch der Arbeitslust noch das Versprechen einer schmerzlosen sozialen Revolution.

Am stärksten gealtert ist das Argument der technologischen Massenarbeitslosigkeit: Acht Jahre später blieb die Schweizer Beschäftigung robust. Das Grundeinkommen bleibt eine diskutierte Idee ohne konkrete Umsetzung — das gescheiterte Pilotprojekt Rheinau ist dafür das sprechendste Beispiel.