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Refusée Fédéral Économie, travail et fiscalité Sécurité, défense et justice 29 novembre 2020

Volksinitiative « Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten »

Am 29. November 2020 stimmte das Schweizer Volk über die Volksinitiative « Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten » ab, lanciert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und den Jungen Grünen. Der Text wollte der Schweizerischen…

Oui — 42.6% Non — 57.4%
Participation : 46.9%
L'enjeu de l'époque

Am 29. November 2020 stimmte das Schweizer Volk über die Volksinitiative « Für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten » ab, lanciert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) und den Jungen Grünen. Der Text wollte der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Stiftungen sowie öffentlichen und beruflichen Vorsorgeeinrichtungen verbieten, in Unternehmen zu investieren, die mehr als 5 % ihres Umsatzes mit der Produktion von Kriegsmaterial erzielen.

Am selben Tag wie die Initiative « Für verantwortungsvolle Unternehmen » zur Abstimmung gebracht, fügte sie sich in eine breitere Debatte über die Ethik des Finanzplatzes Schweiz und die Kohärenz zwischen humanitärer Tradition und den Anlagen ihrer Finanzinstitute.

Auf dem Spiel standen die zweite Säule von Millionen Versicherten, die Verwaltung der SNB-Reserven und die Definition der Neutralität selbst: Sollte sie vom Militärischen aufs Finanzielle ausgeweitet werden? Für die Initianten eine moralische Forderung, für die Gegner ein wirkungsloser Eingriff in die Anlagefreiheit.

Das Verdikt der Urne war deutlich: Die Initiative wurde von 57,5 % der Stimmenden und allen Kantonen ausser vier abgelehnt — rechtlich endete damit jede Beschränkung der Rüstungsfinanzierung.

Methodischer Hinweis: Diese Faktenkarte behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also jene, die mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgeglichen werden können — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Annehmende Kantone
Basel-Stadt (57,9 %), Jura (55,0 %), Genf (53,1 %), Neuenburg (52,6 %). Also 3,5 Standesstimmen von 23.
▼ Ablehnende Kantone
Die 22 übrigen Kantone, von der stärksten zur geringsten Ablehnung: Nidwalden (75,2 %), Schwyz (74,2 %), Obwalden (72,6 %), danach Appenzell, Uri, Aargau, Thurgau, Luzern, Zürich, Waadt, Bern usw.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
GSoA (Gruppe für eine Schweiz ohne Armee), Initiativkomitee
Junge Grüne Mit-Initianten
SP und Grüne Ja-Parolen
SGB (Schweizerischer Gewerkschaftsbund)
Friedensorganisationen diverse Unterstützung
▼ Nein-Lager
Bundesrat empfahl die Ablehnung
SVP, FDP, Die Mitte dagegen
GLP, BDP, EDU dagegen
economiesuisse und sgv Wirtschaftsverbände
SNB und ASIP gegen eine gesetzliche Vorgabe
Bemerkenswert : Die Initiative reproduzierte den klassischen Sprachgraben (Röstigraben): Nur welsche und städtische Kantone unterstützten sie, während die Zentralschweiz sie massiv ablehnte.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Ohne verbindliche Regel finanzieren SNB und Vorsorge die Rüstung weiter
« Nur ein gesetzliches Verbot hindert die Schweizer Finanzinstitute daran, das Geld der Versicherten und die Währungsreserven in die Waffenproduktion zu stecken. »
— Initiativkomitee (GSoA)
✓ Argument bestätigt
Erwiesen: Ohne Vorgabe ging die Finanzierung weiter. Die SNB erhöhte im 1. Quartal 2024 ihre Anteile am israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems um 875 % und hielt laut der NGO PAX 2023 rund 600 Millionen Dollar in Unternehmen mit Bezug zu Atomwaffen.
Quelle: RTS, 2024; PAX-Bericht « Don't Bank on the Bomb ».
Freiwillige Verpflichtungen genügen nicht
« Selbstregulierung lässt zu viel Spielraum; es braucht eine einheitliche, verbindliche Regel für alle Institutionen. »
— Ja-Lager
✓~ Teilweise bestätigt
Teilweise bestätigt: Der Anteil der Kassen mit ESG-Kriterien stieg zwischen 2015 und 2021 von 8 % auf 33 %, und Kassen (Lausanne, ASIR-Mitglieder) schlossen Rüstung aus — doch die SNB, ausserhalb jeden Rahmens, änderte nichts. Der freiwillige Ansatz machte Fortschritte, ohne allgemein zu werden.
Quelle: Le Temps; swissinfo.ch; ASIR.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Selbstregulierung macht ein gesetzliches Verbot überflüssig
« Die Schweizer Finanzakteure wenden bereits verantwortungsvolle Kriterien an; ein starres Verbot ist unnötig und bürokratisch. »
— economiesuisse, Kampagnenargumentarium
✗~ Teilweise widerlegt
Teilweise widerlegt: Zwar verschärften einige Kassen ihre Ausschlüsse, doch die SNB baute ihre Rüstungsanlagen im Gegenteil aus (Elbit +875 % im 1. Quartal 2024) — ein Beleg für die Grenzen einer dem Gutdünken jedes Akteurs überlassenen Selbstregulierung.
Quelle: RTS, 2024.
Ein Rüstungsausschluss würde die Vorsorge-Renditen schmälern
« Ein eingeschränktes Anlageuniversum würde die Performance der Kassen und damit die Renten der Versicherten verringern. »
— Nein-Lager
✗~ Teilweise widerlegt
Teilweise widerlegt: Die Kassen, die freiwillig desinvestierten, taten dies bei marginalen Beträgen — rund 0,3 % des Vermögens bei der Kasse Lausanne — ohne messbaren Renditeeffekt. Das Argument des finanziellen Opfers bewahrheitete sich dort nicht, wo der Ausschluss umgesetzt wurde.
Quelle: Le Temps.

Faktische Bilanz

1
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
2
Teilw. widerlegt
0
Widerlegt
~
Reale, aber ungleiche Selbstregulierung
Die Ablehnung erhielt den Status quo. Bei den Pensionskassen machte die Berücksichtigung verantwortungsvoller Kriterien seit 2020 deutliche Fortschritte (Gründung der ASIR, gezielte Ausschlüsse) und bestätigte teilweise das Argument, der Sektor entwickle sich von selbst. Doch diese Entwicklung bleibt freiwillig und uneinheitlich.
Quelle: swissinfo.ch; ASIR.
!
Die SNB baute ihre Rüstungsanlagen aus
Wo keine Vorgabe gilt, bestätigte sich die Feststellung der Initianten: Die SNB verneunfachte Anfang 2024 fast ihre Elbit-Anteile und zählt zu den Investoren in Unternehmen mit Atomwaffenbezug. Die Abstimmung änderte nichts am Kurs der Nationalbank.
Quelle: RTS, 2024; PAX.
Analyse éditoriale
Conclusion

Die Ablehnung der Initiative zur Rüstungsfinanzierung bietet AfterVote einen Lehrfall: Sobald der Zwang wegfällt, wird das tatsächliche Verhalten der Finanzinstitute beobachtbar und erlaubt es, die Kampagnenargumente zu prüfen.

Das Hauptargument der Initianten — ohne Regel geht die Finanzierung weiter — bestätigte sich am sichtbarsten bei der SNB, die ihre Rüstungsanlagen, auch nukleare, ausbaute. Umgekehrt hält das implizite Versprechen des Nein-Lagers, eine genügende Selbstregulierung, nur teilweise: Die Pensionskassen machten Fortschritte, die Nationalbank nicht.

Die Befürchtung eines Renditeopfers bewahrheitete sich dort nicht, wo der Ausschluss umgesetzt wurde — bei ohnehin marginalen Beträgen. Die Debatte reduziert sich damit eher auf eine Frage von Umfang und Perimeter als auf einen Gegensatz zwischen Ethik und Performance.

Fünf Jahre später bleibt der Graben bestehen: Der Vorsorgesektor näherte sich teilweise den ethischen Erwartungen an, während der am stärksten exponierte Akteur, die SNB, mangels gesetzlicher Grundlage ausserhalb jeden Rahmens blieb.