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Refusée Fédéral Agriculture et alimentation Environnement, climat et énergie 13 juin 2021

Volksinitiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide»

Am 13. Juni 2021 stimmte das Schweizer Volk am selben Tag über zwei Agrarinitiativen ab. Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ging auf ein Bürgerkomitee aus der Genfersee- und Neuenburger Region zurück, getragen ausserhalb der grossen Parteien und…

Oui — 39.4% Non — 60.6%
Participation : 59.7%
L'enjeu de l'époque

Am 13. Juni 2021 stimmte das Schweizer Volk am selben Tag über zwei Agrarinitiativen ab. Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» ging auf ein Bürgerkomitee aus der Genfersee- und Neuenburger Region zurück, getragen ausserhalb der grossen Parteien und der etablierten Agrarverbände. Der Text wollte ein radikales Verbot in der Verfassung verankern.

Konkret verlangte die Initiative ein Verbot synthetischer Pestizide in der Landwirtschaft, der Lebensmittelverarbeitung und der Pflege des Territoriums, mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren. Sie sah zudem ein Importverbot für Lebensmittel vor, die mithilfe solcher Stoffe hergestellt werden — eine Klausel, die die Debatte über die Machbarkeit prägte.

Der Bundesrat und eine grosse Mehrheit des Parlaments empfahlen die Ablehnung, da sie das Verbot als zu absolut beurteilten. Parallel hatten die Räte bereits einen indirekten Gegenvorschlag über eine parlamentarische Initiative (19.475) verabschiedet, der die Pestizidrisiken bis 2027 halbieren soll — ein zentrales Argument des Gegenlagers.

Die Kampagne stellte Stadt und Land gegenüber, mit aussergewöhnlicher ländlicher Mobilisierung. Es ging zugleich um Trinkwasserqualität, Gesundheit, Ernährungssouveränität und die Zukunft des Schweizer Agrarmodells. Die Stimmbeteiligung erreichte 59,7 %, ein hoher Wert für eine eidgenössische Abstimmung.

Methodischer Hinweis: Diese Übersicht behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Kampagnenargumente — also auf das, was mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgleichbar ist — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Annehmende Kantone
Basel-Stadt (einziger Kanton, 57,1 %).
▼ Ablehnende Kantone
Die 25 übrigen Kantone und Halbkantone. Stärkste Ablehnung: Wallis (76,9 %), Jura (67,1 %), Freiburg (67 %), Waadt (62,7 %). Genf lehnte knapp ab (50,6 % Nein).

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Bürgerkomitee «Future3» (Initianten, parteiunabhängig)
Die Grünen und SP
Umweltorganisationen (Greenpeace, Pro Natura)
Ärzte und Wissenschaftler Unterzeichner von Appellen
▼ Nein-Lager
Bundesrat und Mehrheit des Parlaments
SVP, FDP, Mitte (Nein-Parolen)
Schweizer Bauernverband (SBV, Markus Ritter)
economiesuisse und SGV Wirtschaftskreise
Bemerkenswert : Selten: Die Initiative wurde von keiner grossen Partei und keinem Agrarverband getragen; ihr Bürgerkomitee musste die Kampagne ohne den üblichen Apparat aufbauen, gegen eine geeinte Bauernschaft.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Die Trinkwasserverschmutzung bleibt ohne Verbot bestehen
« Unser Grundwasser ist mit Pestizidrückständen belastet; ohne Verbot bleibt das Leitungswasser gefährdet. »
— Initiativkomitee, 2021
✓~ Teilweise bestätigt
Teilweise bestätigt: Chlorothalonil-Metaboliten werden weiterhin in vielen Grundwasservorkommen nachgewiesen (80 % des Schweizer Trinkwassers stammt aus dem Grundwasser); das BLV stufte sie 2024 als «relevant» ein (Grenzwert 0,1 µg/L). Doch Chlorothalonil war bereits am 1. Januar 2020 verboten worden, unabhängig von der Initiative.
Quelle: BAFU / BLV, Weisung 2024/1; BAFU, Chlorothalonil im Grundwasser.
Der Status quo hält die Pestizidverkäufe hoch
« Ohne starkes Signal wird der Einsatz synthetischer Pestizide nicht wirklich sinken. »
— Befürworter der Initiative, 2021
✓ Argument bestätigt
Bestätigt: Laut BLW-Statistik stiegen die Verkäufe synthetischer Wirkstoffe 2022 um rund 8 %, während der Gesamtrückgang der Pflanzenschutzmittel von 2008 bis 2022 nur 1,5 % betrug. Glyphosat blieb das meistverkaufte synthetische Pestizid.
Quelle: BLW, Verkaufsstatistik Pflanzenschutzmittel 2022.
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Der parlamentarische Weg senkt die Risiken ohne brutales Verbot
« Der indirekte Gegenvorschlag (Pa. Iv. 19.475) halbiert die Risiken bis 2027, ohne die Landwirtschaft zu blockieren. »
— Nein-Lager / Parlament, 2021
✓ Argument bestätigt
Institutionell bestätigt: Die parlamentarische Initiative 19.475 wurde verabschiedet, mit dem Ziel einer Halbierung der Pestizidrisiken bis 2027, einer Reduktion der Stickstoffverluste (-15 %) und Phosphorverluste (-20 %) bis 2030 sowie einem Verordnungspaket, das ab 2023 in Kraft trat.
Quelle: Parlament, Geschäft 19.475; BLW, Verordnungspaket.
Eine gezielte Reduktion genügt, kein Totalverbot nötig
« Kein radikales Verbot nötig: Eine gezielte Politik senkt die Risiken wirksam. »
— Gegner, 2021
✗~ Teilweise widerlegt
Auf halbem Weg teilweise widerlegt: Die -50-%-Bahn ist weit entfernt. Der Anstieg der synthetischen Verkäufe 2022 und der vernachlässigbare Gesamtrückgang zeigen, dass die versprochene «gezielte» Reduktion bislang nicht den angekündigten raschen Rückgang gebracht hat.
Quelle: BLW, Verkaufsstatistik 2022.

Faktische Bilanz

2
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
0
Widerlegt
~
Trinkwasser: ein bleibendes Erbe
Das 2020 verbotene Chlorothalonil hinterlässt Metaboliten im Grundwasser; vom BLV 2024 als «relevant» eingestuft, zwingen sie mehrere Versorger zu Aufbereitung. Die Sorge um dauerhaft belastetes Wasser hat sich teilweise bestätigt — aber über andere Kanäle als die Initiative.
Quelle: BLV, Weisung 2024/1.
!
Pestizidverkäufe: kein nennenswerter Rückgang
Das implizite Versprechen eines Rückgangs über den Status quo blieb aus: +8 % synthetische Verkäufe 2022, nur 1,5 % Gesamtrückgang in vierzehn Jahren. Glyphosat bleibt führend.
Quelle: BLW, 2022.
Parlamentarischer Weg: die Alternative wurde aktiviert
Das Kernargument des Nein-Lagers wurde umgesetzt: Die Pa. Iv. 19.475 legt eine -50-%-Bahn der Risiken bis 2027 fest, mit geltenden Verordnungen. Ob das Ziel erreicht wird, bleibt offen.
Quelle: Parlament, 19.475.
Analyse éditoriale
Conclusion

Das doppelte Nein zu den Pestizidinitiativen vom Juni 2021 bestätigte, wie schwer sich in der Schweiz ein radikales Agrarverbot an der Urne durchsetzen lässt: Nur Basel-Stadt nahm an, und der Stadt-Land-Graben trat deutlich zutage.

Inhaltlich verschwand die Debatte mit der Ablehnung nicht. Die Sorgen des Ja-Lagers um die Wasserqualität finden im Chlorothalonil-Dossier ein Echo, dessen Metaboliten die Wasserversorger weiterhin beschäftigen — auch wenn dieser Stoff unabhängig von der Abstimmung verbannt wurde.

Die Wette des Nein-Lagers — Risiken über den parlamentarischen Weg statt über ein Verbot zu senken — wurde teilweise eingelöst: Der rechtliche Rahmen besteht, doch die Verkaufsstatistiken zeigen, dass der versprochene rasche Rückgang auf sich warten lässt.

Vier Jahre später ist die Bilanz nuanciert: weder der von den Gegnern beschworene Agrarkollaps noch die von den Initianten erhoffte ökologische Revolution, sondern eine verwaltete, langsame und im Tempo umstrittene Reduktion.