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Refusée Fédéral Culture et médias Institutions et démocratie 04 mars 2018

Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren» (No Billag)

Am 4. März 2018 stimmt das Schweizer Volk über die Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren» ab — bekannt unter ihrem Kampfnamen No Billag, benannt nach der damaligen Inkassostelle. Lanciert von jungen Politikern aus den Reihen der Jungen…

Oui — 28.4% Non — 71.6%
Participation : 54.8%
L'enjeu de l'époque

Am 4. März 2018 stimmt das Schweizer Volk über die Volksinitiative «Ja zur Abschaffung der Radio- und Fernsehgebühren» ab — bekannt unter ihrem Kampfnamen No Billag, benannt nach der damaligen Inkassostelle. Lanciert von jungen Politikern aus den Reihen der Jungen SVP und der Jungfreisinnigen mit libertärem Hintergrund, wird die Initiative im Dezember 2015 mit knapp 112 000 gültigen Unterschriften eingereicht.

Der Text ist radikal: Er verbietet dem Bund, jegliche Empfangsgebühr zu erheben, untersagt die Subventionierung von Radio- und Fernsehsendern und sieht die regelmässige Versteigerung der Konzessionen vor. Die SRG, zu drei Vierteln gebührenfinanziert (rund 1,2 Milliarden Franken pro Jahr, damals 451 Franken pro Haushalt), hätte den Grossteil ihrer Mittel verloren — ebenso wie 34 private Regionalradios und -fernsehen mit Gebührenanteil.

Der Abstimmungskampf ist von seltener Intensität. Bundesrat und Parlament empfehlen die Ablehnung, ohne Gegenvorschlag. Die SRG erklärt, kein «Plan B» würde ihr Überleben sichern, während die Initianten eine Zwangsabgabe aus einer anderen Zeit anprangern und versprechen, der Markt werde einspringen. Noch vor der Abstimmung kündigt Bundesrätin Doris Leuthard eine Senkung der Gebühr auf 365 Franken ab 2019 an.

Das Verdikt ist unmissverständlich: Die Initiative wird von 71,6 Prozent der Stimmenden und von sämtlichen Kantonen verworfen, bei einer Stimmbeteiligung von 54,8 Prozent — einer der höchsten des Jahrzehnts.

Methodischer Hinweis : Dieses Dossier behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf überprüfbare Kampagnenargumente — also solche, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf den Urnengang selbst.
▲ Annehmende Kantone
Kein Kanton hat die Initiative angenommen.
▼ Ablehnende Kantone
Alle 26 Kantone und Halbkantone: Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf, Jura.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Olivier Kessler (Co-Präsident des Initiativkomitees)
Junge SVP und Jungfreisinnige (Initianten)
SVP (einzige Regierungspartei mit Ja-Parole)
SGV (Schweizerischer Gewerbeverband)
▼ Nein-Lager
Bundesrat (Doris Leuthard, Vorsteherin UVEK)
SP, FDP, CVP, Grüne, GLP, BDP (alle dagegen)
Gilles Marchand (Generaldirektor der SRG)
Kultur- und Sportkreise, private Regionalmedien
Bemerkenswert : Selbst die Gegner räumten Reformbedarf beim Service public ein — ein seltener Konsens. Die Gebührensenkung auf 365 Franken und die Plafonierung des SRG-Anteils bei 1,2 Milliarden wurden noch vor dem Urnengang angekündigt und entschärften einen Teil der Initianten-Argumentation.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Auch bei einem Nein wird die Rechnung sinken
« Wir haben ein Tabu rund um die Gebühr und ihre Höhe gebrochen »
— Olivier Kessler, Co-Präsident des Komitees, März 2018
✓ Argument bestätigt
Die Prognose traf über Erwarten ein: Die Gebühr sank von 451 Franken auf 365 Franken (2019), dann auf 335 Franken (2021); 2024 beschloss der Bundesrat die schrittweise Senkung auf 300 Franken bis 2029.
Quelle : UVEK, BAKOM, Bundesratsbeschlüsse 2017-2024
Die SRG ist ein Koloss, den nichts zu Reformen zwingen wird
« Alle müssen sich bewusst werden, dass nicht jeder bereit ist, über 400 Franken Zwangsgebühren pro Jahr zu zahlen »
— Olivier Kessler, Kampagne 2017-2018
✗~ Teilweise widerlegt
Von den Fakten weitgehend widerlegt: Bereits im Juni 2018 lancierte die SRG ein Sparprogramm über 100 Millionen, gefolgt von einem Programm über 270 Millionen mit rund 900 Stellenstreichungen bis 2029. Allerdings erfolgten diese Reformen unter konstantem politischem und finanziellem Druck — nicht aus eigenem Antrieb.
Quelle : SRG SSR, Le Temps, SRF (2018-2025)
Das Modell der Zwangsgebühr ist dem Untergang geweiht
« Jeder soll selber entscheiden können, welche Medien er finanzieren will »
— Offizielles Argumentarium des Initiativkomitees
✗ Argument widerlegt
Das Volk hat die solidarische Finanzierung des Service public zweimal bekräftigt: 71,6 Prozent Nein zu No Billag 2018, dann Ablehnung der Initiative «200 Franken sind genug!» im März 2026. Das Gebührenprinzip bleibt fest verankert.
Quelle : Bundeskanzlei, Abstimmungsresultate 2018 und 2026
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Die Gebühr sichert einen Service public in vier Sprachen
« Ohne Gebühr kann die SRG in ihrer heutigen Form nicht weiterbestehen »
— Doris Leuthard, Bundesrätin, Kampagne 2018
✓ Argument bestätigt
Der Erhalt der Gebühr ermöglichte es der SRG tatsächlich, weiterhin in den vier Landessprachen zu senden. Trotz Sparrunden behielten SRF, RTS, RSI und RTR ihren Grundauftrag; die finanzielle Solidarität zwischen den Sprachregionen blieb gewahrt.
Quelle : SRG SSR, Geschäftsberichte 2018-2025
Auch private Regionalmedien hängen von der Gebühr ab
« Es gibt keinen Plan B »
— Gilles Marchand, SRG-Generaldirektor, 2017
✓ Argument bestätigt
Bestätigt: Die 34 konzessionierten privaten Regionalradios und -fernsehen erhielten weiterhin einen Gebührenanteil, der sogar erhöht wurde (81 Millionen Franken pro Jahr ab 2019), um die regionale Information zu stärken.
Quelle : BAKOM, RTVV-Revision 2019
Ein Nein ermöglicht eine ruhige Reform des Service public
« Der Status quo ist keine Option »
— Doris Leuthard, Abstimmungsabend, 4. März 2018
✗~ Teilweise widerlegt
Die Reform kam, die Ruhe nicht: acht Jahre Sparprogramme in Serie, eine 2024 vom Bundesrat verordnete Gebührensenkung und eine neue Anti-SRG-Initiative («200 Franken sind genug!»), die 2026 zur Abstimmung kam. Die Debatte über den Umfang des Service public riss nie ab.
Quelle : Bundesrat, SRF, NZZ (2018-2026)

Faktische Bilanz

3
Bestätigt
0
Teilw. bestätigt
2
Teilw. widerlegt
1
Widerlegt
Die Gebühr ist um einen Drittel geschmolzen
Von 451 Franken (2018) sank die Abgabe auf 365 Franken (2019, mit der Ablösung von Billag durch Serafe), dann auf 335 Franken (2021). 2024 beschloss der Bundesrat die schrittweise Senkung auf 300 Franken bis 2029 sowie die schrittweise Befreiung der Unternehmen.
Quelle : UVEK, BAKOM, Bundesrat
~
Eine abgespeckte, aber weiterhin viersprachige SRG
Die SRG reihte Sparprogramme aneinander: 100 Millionen ab 2019, dann 270 Millionen mit rund 900 angekündigten Stellenstreichungen bis 2029. Das Angebot in den vier Landessprachen blieb erhalten — mit deutlich reduzierten Mitteln.
Quelle : SRG SSR, SRF, Le Temps
~
Eine nie geschlossene Debatte
Das wuchtige Nein von 2018 beendete die Service-public-Frage nicht: Die 2023 eingereichte Initiative «200 Franken sind genug!» wurde am 8. März 2026 vom Volk verworfen. Die SRG-Finanzierung bleibt eines der umstrittensten Themen der Schweizer Medienpolitik.
Quelle : Bundeskanzlei, SRF, RTS
Analyse éditoriale
Conclusion

Acht Jahre danach springt das No-Billag-Paradox ins Auge: Die am deutlichsten verworfene Initiative des Jahrzehnts gehört zu jenen, die ihr Ziel am nachhaltigsten verändert haben. Die Gebühr sank von 451 auf 335 Franken, Kurs 300, und die SRG durchlief beispiellose Restrukturierungen. Auf der Faktenebene erreichte das unterlegene Lager durch Druck einen Teil dessen, was sein Text an der Urne nicht erreichte.

Auch das Siegerlager sah seine Versprechen weitgehend eingelöst: Der Service public existiert weiterhin, sendet in den vier Landessprachen, und der Gebührenanteil speist nach wie vor die privaten Regionalradios und -fernsehen. Die Befürchtung einer rein marktgetriebenen Medienlandschaft trat nicht ein.

Die angekündigte «ruhige Reform» hingegen fand nie statt: Die Finanzierung des Service public blieb ein permanentes Schlachtfeld — von der bundesrätlichen Plafonierung bis zur Initiative «200 Franken sind genug!», die im März 2026 abgelehnt wurde. Die Abstimmung von 2018 hat die Debatte nicht beendet; sie hat sie institutionalisiert.

Bleibt das Wesentliche: Auf die gestellte Frage — soll jede Gebühr abgeschafft werden? — hat das Volk innert acht Jahren zweimal Nein gesagt. Doch jedes Nein geht mit einer tieferen Rechnung einher, als würde der Souverän für die SRG stimmen und ihr gleichzeitig das Portemonnaie zuhalten.