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Refusée Fédéral Agriculture et alimentation Environnement, climat et énergie 07 juin 1998

Volksinitiative «zum Schutz von Leben und Umwelt vor Genmanipulation» (Gen-Schutz-Initiative)

Am 7. Juni 1998 lehnt das Schweizer Volk mit 66,7 % die Volksinitiative «zum Schutz von Leben und Umwelt vor Genmanipulation» (Gen-Schutz-Initiative) ab. Kein Kanton nimmt sie an. Es ist der Höhepunkt einer der teuersten und mobilisierendsten Kampagnen des Jahrzehnts.Lanciert…

Oui — 33.29% Non — 66.7%
Participation : 41.32%
L'enjeu de l'époque

Am 7. Juni 1998 lehnt das Schweizer Volk mit 66,7 % die Volksinitiative «zum Schutz von Leben und Umwelt vor Genmanipulation» (Gen-Schutz-Initiative) ab. Kein Kanton nimmt sie an. Es ist der Höhepunkt einer der teuersten und mobilisierendsten Kampagnen des Jahrzehnts.

Lanciert von der Schweizerischen Arbeitsgruppe Gentechnologie, wollte die Initiative ein Verbot der Erzeugung transgener Tiere, der Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen und der Patentierung von Lebewesen in der Verfassung verankern. Faktisch zielte sie auch auf weite Teile der Forschung.

Gegen sie stellt sich eine ungewöhnliche Koalition: Bundesrat (Ruth Dreifuss, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern), bürgerliche Parteien, Wirtschaft und Bauern, Universitäten und Pharmaindustrie. Im Mai 1998 treten vier der fünf Schweizer Nobelpreisträger gemeinsam vor die Presse.

Die Initianten — Grüne, Linke, Umweltorganisationen wie Greenpeace und WWF — beklagen eine wissenschaftliche Flucht nach vorn. Am 7. Juni liegt die Beteiligung bei 41 %, und das Verdikt ist deutlich: ein doppeltes Nein von Volk und allen Kantonen.

Methodischer Hinweis: Diese Faktenseite behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Verdikte beziehen sich ausschliesslich auf die überprüfbaren Wahlkampfargumente — also auf jene, die mit den seit der Abstimmung beobachteten Fakten abgeglichen werden können — und nicht auf den Urnengang selbst.
▲ Annehmende Kantone
Kein Kanton nahm die Initiative an.
▼ Ablehnende Kantone
Alle 26 Kantone lehnten die Initiative ab: Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden, Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Schweizerische Arbeitsgruppe Gentechnologie, Urheberin der Initiative
Grüne, SP, EVP, EDU und Schweizer Demokraten
Greenpeace, WWF und Umweltorganisationen
Biolandbau- und Tierschutzkreise
▼ Nein-Lager
Bundesrat (Ruth Dreifuss, Vorsteherin EDI)
Mehrheit des Parlaments (Nationalrat 107-44, Ständerat 40-0)
CVP, FDP, SVP, LPS ; economiesuisse, Arbeitgeberverband, Schweizer Bauernverband
Wissenschaft (vier Nobelpreisträger), Universitäten, Novartis und Roche
Bemerkenswert: Swissvotes bezeichnete den Abstimmungskampf als «Abstimmungskampf der Superlative» — Industrie und Wissenschaft mobilisierten wie nie zuvor gegen eine Initiative.

Argumente und Verdikte

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Unkontrollierbare Risiken für Gesundheit und Umwelt
« Die Gentechnik birgt unvorhersehbare und unumkehrbare Risiken für Gesundheit und Natur. »
— Initiativkomitee und Umweltorganisationen (1998)
✗~ Teilweise widerlegt
Seit 1998 haben weder die Forschung noch die medizinischen Anwendungen der Gentechnik die angekündigten Katastrophen verursacht. In der Landwirtschaft verschwand die Befürchtung jedoch nicht ganz, wo das Vorsorgeprinzip durch ein Moratorium aufrechterhalten wurde.
Quelle: BAFU ; Regelung der GVO in der Schweiz
Ohne Verbot keine Schutzmechanismen
« Ohne Verfassungsverbot wird die Schweiz zu einem Freiluftlabor ohne Schutz. »
— Initianten (1998)
✗ Argument widerlegt
Das Verbot wurde abgelehnt, und dennoch wurde ein strenger rechtlicher Rahmen geschaffen: Das Gentechnikgesetz (2003) schreibt Deklaration, Rückverfolgbarkeit und Koexistenz vor, und seit 2005 regelt ein Moratorium die Landwirtschaft. Die Schweiz wurde kein «Labor ohne Schutz».
Quelle: Gentechnikgesetz (GTG), 2003
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Ein Verbot würde die Forschung töten und die Pharma vertreiben
« Ein Verbot der transgenen Forschung würde die Schweizer Wissenschaft ruinieren und die Pharmaindustrie vertreiben. »
— Bundesrat und Wissenschaft (1998)
✓ Argument bestätigt
Die Forschung blieb legal und florierte: Novartis und Roche wurden zu Weltführern und Basel zu einem grossen Biotech-Pol. Die seither beobachtete Entwicklung bestätigt, dass ein Verbot einen Schlüsselsektor der Schweizer Wirtschaft getroffen hätte.
Quelle: swissvotes.ch/vote/440.00 ; Branchenberichte
Eine Regelung genügt, kein Verbot nötig
« Ein Verfassungsverbot ist nicht nötig: Ein Gesetz kann die Risiken eingrenzen. »
— Bundesrat (1998)
✓~ Teilweise bestätigt
Das Gentechnikgesetz von 2003 schuf tatsächlich einen Rahmen. Doch das Volk hielt die Regelung für die Landwirtschaft für ungenügend und verhängte 2005 ein Moratorium für Agro-GVO, das bis 2025 ohne Unterbruch verlängert wurde.
Quelle: Regelung der GVO in der Schweiz

Affiches de campagne (16)

Faktische Bilanz

1
Bestätigt
1
Teilw. bestätigt
1
Teilw. widerlegt
1
Widerlegt
Eine Forschung, die blieb und florierte
Die Gentechnik blieb legal. Novartis und Roche stiegen zu Weltführern auf, und die Region Basel wurde zu einem der grossen Biotech-Pole der Welt.
Quelle: Branchenberichte ; Wirtschaftsstatistik
~
Das landwirtschaftliche Misstrauen setzte sich durch
Trotz der Ablehnung des Verbots 1998 nahm das Volk 2005 ein fünfjähriges Moratorium für GVO in der Landwirtschaft an (55,7 %), mehrfach verlängert bis 2025.
Quelle: Regelung der GVO in der Schweiz
Ein Rechtsrahmen ohne Verbot
Das Gentechnikgesetz von 2003 führte Deklarationspflicht, Wahlfreiheit der Konsumenten, Koexistenz und Überwachung ein — und gab jenen recht, die regeln statt verbieten wollten.
Quelle: Gentechnikgesetz (GTG), 2003
Analyse éditoriale
Conclusion

1998 lehnen die Schweizer deutlich ab, ein Verbot der Gentechnik in der Verfassung zu verankern. Die Kampagne, eine der teuersten der Zeit, sah Wissenschaft und Industrie in nie dagewesener Intensität gegen eine ökologische Vorlage mobilisieren.

Die Wette des Nein-Lagers — regeln statt verbieten — bestätigte sich für Forschung und Pharma weitgehend. In der Schweiz geblieben, wurden sie zu Weltmeistern und bestätigten die Warnung, ein Verbot hätte eine wirtschaftliche Säule getroffen.

Das Misstrauen des Volkes verschwand jedoch nicht. Ab 2005 verhängte es ein Moratorium für Agro-GVO, seither stets verlängert. Das Nein von 1998 betraf Forschung und Medizin, weit weniger den Inhalt des Tellers.

Am Ende eine feine Teilung: Sieg der Wissenschaft, dauerhafte Vorsicht in der Landwirtschaft. Die Abstimmung von 1998 hatte eine Trennlinie nur angedeutet, die die Schweiz seither immer wieder nachzeichnet.