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Refusée Vaud Environnement, climat et énergie 16 mai 2004

Waadtländer Initiative «Sauver le Pied du Jura» (Den Jurafuss retten)

Am 16. Mai 2004 lehnen die Waadtländer Stimmberechtigten die Volksinitiative «Sauver le Pied du Jura» («Den Jurafuss retten») deutlich ab. Lanciert vom Umweltschützer Franz Weber und seiner Stiftung Helvetia Nostra, verlangte der Text die Schaffung eines «kantonalen Parks» über sieben…

L'enjeu de l'époque

Am 16. Mai 2004 lehnen die Waadtländer Stimmberechtigten die Volksinitiative «Sauver le Pied du Jura» («Den Jurafuss retten») deutlich ab. Lanciert vom Umweltschützer Franz Weber und seiner Stiftung Helvetia Nostra, verlangte der Text die Schaffung eines «kantonalen Parks» über sieben Gemeinden zwischen Berolle und La Praz – und ein Verbot neuer Kiesgruben in diesem Gebiet.

Die 1998 mit 17 216 Unterschriften eingereichte Initiative reagierte auf mehrere Kiesabbau-Projekte, welche die Landschaftsschützer beunruhigten: Gefahr für das Grundwasser von Morges und rund zehn Gemeinden, Beeinträchtigung einer für ihre Ruhe geschätzten Gegend, Lastwagenkolonnen durch die Dörfer. Der Streit um die Kiesgruben entzweite Anwohner und Betreiber seit Jahrzehnten.

Die Befürworter sahen im Park ein Bollwerk gegen «Verbetonierung» und Spekulation. Die Gegner – Staatsrat, Gemeinden und Wirtschaft – witterten eine «Unter-Glas-Stellung» einer ganzen Region, ein «Indianerreservat», das jede Entwicklung einfriere. Das Volk gab den Zweiten recht und verwarf das vorgeschlagene Zwangsinstrument.

Die Grundfrage blieb offen: Wie lässt sich die Kiesversorgung des Kantons – unverzichtbar für das Bauwesen – mit dem Schutz der Landschaft, des Trinkwassers und der Begrenzung des Transportlärms vereinbaren?

Methodischer Hinweis: Dieses Factsheet behandelt die Abstimmung sachlich und überparteilich. Die Bewertungen beziehen sich ausschliesslich auf überprüfbare Abstimmungsargumente — also auf solche, die sich an den seit der Abstimmung beobachteten Fakten messen lassen — und nicht auf das Abstimmungsergebnis selbst.
▲ Gesamtergebnis
Initiative «Sauver le Pied du Jura» abgelehnt. Die Waadtländer Stimmberechtigten verwerfen klar einen kantonalen Park, der neue Kiesgruben verboten hätte, und folgen Staatsrat und Wirtschaft.
▼ Betroffenes Gebiet
Das Projekt betraf sieben Gemeinden am Jurafuss, zwischen Berolle und La Praz. Eine konsolidierte öffentliche Quelle mit Gemeinderesultaten dieser Abstimmung von 2004 liegt nicht vor.

Akteure und Persönlichkeiten

▲ Ja-Lager
Franz Weber (Umweltschützer, Initiant)
Helvetia Nostra (Stiftung für Natur- und Heimatschutz)
Verein «Sauver le Pied du Jura»
Landschafts- und Umweltschutzkreise
▼ Nein-Lager
Waadtländer Staatsrat (gegen eine regulatorische Blockade der Region)
Betroffene Gemeinden am Jurafuss
Kies- und Bauindustrie (Betreiber)
Transporteure und Wirtschaftskreise

Argumente und Bewertungen

▲ Argumente DAFÜR (Ja-Lager)
Bedrohtes Wasser und bedrohte Landschaft schützen
« eine unberührte Natur vor Spekulanten bewahren »
Bewertung : ✓~ Befürchtung weitgehend begründet
Zwischen 2004 und 2006 hob das Waadtländer Verwaltungsgericht mehrere Kiesgruben-Bewilligungen auf (Montricher, L'Isle, Allaman, Tolochenaz) – gerade wegen der Gefahr für das Grundwasser (Trinkwasser von Morges und rund zehn Gemeinden) und der Landschaftsschäden. Die Argumente der Initianten bestätigten sich also vor Gericht, auf einem anderen Weg als an der Urne.
Quelle : Stiftung Franz Weber; Urteile VG AC.1998.0209 (2004) und AC 2001/0135 (2006)
Eine einzigartige Region dauerhaft sichern
Bewertung : ✗~ Ziel durch die Initiative nicht erreicht
Der verbindliche kantonale Park kam nie zustande. Ein Teilschutz entstand später auf anderen Wegen (Regionaler Naturpark Waadtländer Jura, Rechtsprechung, Richtpläne), aber ohne den verlangten Riegel: ein generelles Kiesgrubenverbot wurde nicht festgeschrieben.
Quelle : Kanton Waadt; Regionaler Naturpark Waadtländer Jura
▼ Argumente DAGEGEN (Nein-Lager)
Keine «Unter-Glas-Stellung» einer Region
« man bereitet ein Indianerreservat vor »
Bewertung : ✗~ Versprochene Befriedung blieb aus
Das Nein wendete den befürchteten Totalstillstand ab, doch die gepriesene Einzelfall-Lösung beruhigte den Konflikt nicht. Zwanzig Jahre später entfachte das Projekt der Mega-Kiesgrube von Ballens (Holcim/Orlatti, rund 90 Hektar bedrohter Wald) erneuten Widerstand: eine Petition mit über 15 000 Unterschriften 2025 im Grossen Rat und eine Waldbesetzung.
Quelle : 24 heures; objectifclimat.ch (2024-2025)
Der Kanton braucht seinen Kies
Bewertung : ✓~ Reales Anliegen, Teillösungen
Die Materialversorgung blieb ein Muss. Der Kanton suchte Abbau und Belastung zu versöhnen, indem er den Kiestransport per Bahn entwickelte (BAM-Linie Bière–Apples–Morges, Projekt Boiron), um Tausende Lastwagen auf Dorfstrassen zu vermeiden. Die Frage verschwand mit dem Nein nicht.
Quelle : Kanton Waadt, DSE «Kombinierter Kiestransport» (2009); 24 heures

Faktische Bilanz

Der Urnenentscheid löste die Frage nicht. Der kantonale Park fiel zwar weg, doch der Schutz des Jurafusses spielte sich teilweise anderswo ab – vor Gericht –, während der Abbaudruck zuletzt wieder zunahm.

Initiative abgelehnt – kein kantonaler Park
4+
Von der Justiz aufgehobene Kiesgruben (2004-2006)
20 Jahre
Ein nie erloschener Konflikt
15 000+
Unterschriften gegen die Mega-Kiesgrube Ballens (2025)
Zu beachten : Waadtländer Paradox: an der Urne 2004 geschlagen, bekamen die Kiesgruben-Gegner oft recht – vor Gericht. Und das Kräftemessen ist alles andere als vorbei: in Ballens flammte es zwanzig Jahre später neu auf.
Analyse éditoriale
Conclusion

2004 lehnten die Waadtländer ein Instrument ab – nicht zwingend ein Ziel. Ein kantonaler Park, der sieben Gemeinden verriegelt hätte, erschien einer Mehrheit übertrieben, die für Entwicklung und Materialversorgung empfänglich war.

Die Geschichte gab dem unterlegenen Lager in mehreren konkreten Punkten recht. Die als alarmistisch verworfenen Befürchtungen um Grundwasser und Landschaft wurden vom Verwaltungsgericht anerkannt, das zwischen 2004 und 2006 mehrere Projekte stoppte. Urne und Justiz fällten gegensätzliche Urteile.

Der danach gesuchte Kompromiss – abbauen und den Kies per Bahn transportieren – zeigte, dass zwischen Totalschutz und Laisser-faire ein dritter Weg bestand. Doch er entschärfte die Spannungen nicht.

Der Beweis: Das Projekt der Mega-Kiesgrube Ballens weckte 2024-2025 genau denselben Streit wie 2004, mit Massenpetition und Waldbesetzung. Zwanzig Jahre danach bleibt der Jurafuss ein Schlachtfeld zwischen Beton und Landschaft.